Beethovens Unvollendete (Erg.Lfg.42) – Über den Charakter der Loseblattsammlung und andere biblische Plagen

 

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„Siehe, ich sende sie wie Schafe unter euch.“ Die wenig bekannte biblische Plage 10a: Publikation von Loseblattsammlungen

Am sechsten Tag schuf Gott mehrere Großkommentare, Zeitschriften und einheitliche Zitierregeln für den Hochschulraum. Am siebten Tag ruhte Gott, denn sie war sehr müde. Aber da die Bibliothekare und Juristen vom Baum der Erkenntnis(se) genascht hatten, zürnte Gott ihnen, und wollte sie bestrafen. Da die Heuschrecken, Frösche und Sintfluten gerade aus waren, musste Gott sich etwas anderes einfallen lassen.

Am achten Tag schuf Gott die Loseblattsammlungen.

Im Anfang war das Wort

Dieser Tage gab es auf Twitter einen heiteren Diskurs über den Ursprung der Loseblattsammlung, der speziell von einigen Verfassungsrechtlern befeuert wurde und schließlich sogar in Literaturzitaten über die Loseblattsammlung eskalierte.
Philosophiert wurde über die ersten Loseblattsammlungen und das psychologische Profil ihrer Erschaffer, Bezüge zu Rechtsgebieten wurden angeführt, und die Frage bedient, ob der leicht zwänglerische Charakter dieser Publikationsform eher der Schweiz oder den fleissigen Vorarlbergern zuzuschreiben sei.

Studierende wissen trotz regelmäßigen leidvollen Kontakts leider kaum mehr etwas mit dem Begriff anzufangen, deswegen sollte das Spiel „Loseblattsammlung“ kurz erklärt werden: Loseblattsammlungen sind Mappen, in die nach einem regelmäßigen und undurschaubaren Rhythmus Blätterkonvolute in Form von Ergänzungslieferungen eingelegt werden, um das Werk aktuell zu halten.

Ursprünglich war das eine durchaus verbreitete Mediensorte, die das großangelegte Neudrucken ganzer Werke bei nur geringfügigen Änderungen ersparen sollte. Warum sich das ausgerechnet in den Rechtswissenschaften solange gehalten hat, ist eigentlich nicht nachvollziehbar. Wir unterstellen hier einmal pure Boshaftigkeit der Verlage und Herausgeber.

Ein neues Spiel, ein neues Glück – da ist für alle was dabei!

„Loseblattsammlung“ spielt man jetzt so: Alle paar Wochen oder Monate, je nach aktueller Rechtsprechung, Lust und Laune der Verlage und dem Stand des Mondes und der Gestirne trifft ein neuer Packen Blätter ein, der in die Loseblattsammlung einzulegen ist. Dies hat an genau vorgeschriebenen Stellen zu erfolgen, die in einer Art Gebrauchsanweisung im IKEA Stil aufgeführt sind: Entnehmen Sie also nun Blatt 2b und ergänzen Sie an der Stelle die Teile 38a und 95b. Hier fängt das Drama schon an sich erheblich zuzuspitzen, denn Blatt 2b ist natürlich schon lange nicht mehr vorhanden, und muss insoferne auch nicht entnommen werden, und die Teile 38a und 95b sind in der Ergänzungslieferung nicht zu finden, falls sie denn überhaupt jemals existiert haben.  Die feierliche Einlegung der neuen Ergänzungslieferung muss protokolarisch in dem nur in seltenen Glücksfällen vorhandenen „Standblatt“ am Anfang eines jeden Ordners eingetragen werden, damit nachfolgende Generationen wissen, was hier alles NICHT, VIELLEICHT oder auch TEILWEISE ergänzt wurde. Fertig ist man jedenfalls dann, wenn selbst für absolute Kenner der Materie nicht mehr zu begreifen ist, was das Werk nun eigentlich enthält. Irgendwann ist die Mappe schlicht nicht mehr pflegbar und das System ist irreparabel beschädigt, man sagt „Die Loseblattsammlung ist korrupt geworden!“.

Nun beginnt eine Art kalter Krieg zwischen Buchhändler und Bibliothek, bei dem meist von vornherein klar ist, wer gewinnen wird. Der Verlag sendet neue Ergänzungslieferungen aus, die Bibliothek ignoriert diese, da sie in dem aktuellen Werk ohnehin nicht mehr eingeordnet werden können. Aus Anstandsgründen und Trotz wartet man noch ein paar Monate zu, bis irgendjemand (meist die Bibliothek) bei dem Spiel die Nerven verliert, und ein neues Grundwerk bestellt wird (das man gerne zahlt, um wieder einige Nächte ruhig schlafen zu können). Zu diesem Zeitpunkt sind alle Betroffenen psychisch so zerrüttet, dass sie auch einen Lottogewinn ausgeben würden, um endlich Ruhe zu haben. Bis das Spiel von vorne losgeht.


Wenig erstaunlicherweise finden sich die Ursprünge dieser Foltermethode in jenem Rechtsgebiet wo alles Unheil der Menschheit verborgen liegt, im Steuerrecht. Man muss auch nicht erst extra erwähnen, dass dieses System für den Gebrauch im Publikumsverkehr an Bibliotheken denkbar ungeeignet ist..

Fällt der Ordner nämlich zu Boden (hoffentlich nur im geschlossenem Zustand), so verbiegt sich, zumindest bei „schwerwiegenden“ Loseblattsammlungen die Mechanik oft irreparabel, lässt sich also zB nicht mehr richtig schließen. Das merkt aber ohnehin erst der nächste Benutzer oder die nächste Benutzerin, wenn er oder sie das Werk hastig aus dem Regal zieht, den physikalischen Überblick über das halb offenstehende Loseblattwerk verliert, und nach kurzem, kaum hörbaren Fluchen (…) ein paar Seiten unterschiedlicher Gesetze vom Boden aufkratzt, und nun wirklich nicht auch noch die Zeit – und natürlich auch null Bock hat das Geblatt in der Hand so zu sortieren, wie es dem Herausgeber des Werkes gefiele. Von wegen! Für so etwas gibt es Bibliothekspersonal.
Martin Vonplon, Lose-Blattsammlungen. In: Recht, Bibliothek, Dokumentation, 25 (1995), H. 3, S. 135-141

Der Spaß bei Loseblattsammlungen muss in ihrem Glücksspielcharakter erkannt werden, man hat hier wie im Zivilrecht ein aleatorisches Moment. Nie kann man genau wissen, was darin ist, das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen!

Die Pathologie der Loseblattsammlung

Die Bibliothek Recht hostet aktuelle viele Hunderte von Loseblattsammlungen, und in einem Hinterzimmer lagern stets Stapel von Ergänzungslieferungen. Wir haben ein eigenes Fach auf dem „Problemfälle“ steht, und dieses ist immer gut gefüllt.

Unglücklicherweise kommen in Österreich die beiden großen Kommentare zum Bundesverfassungsrecht ausschließlich in Loseblattform auf den Markt, was einen gewissermaßen betroffen macht:

Regelmäßig kommen Studierende an den Schalter, die im BVG eine Kommentierung vermissen, und man hat dann oft seine liebe Not herauszufinden, ob das der Wahrheit entspricht, oder der betreffende Artikel einfach noch nicht kommentiert wurde. Hier gilt vorderhand, wie in jedem pathologischen Fall der gute alte Schaltersatz: Nehmen Sie den Patienten ernst. Aber lassen Sie sich nicht auf Diskussionen über den Wahrheitsgehalt seiner Aussage ein. 

Die Liechtensteiner haben aus diesem Grund ein segensreiches Werk getan, und ihren Verfassungsrecht Kommentar in einer Art Open Access Variante ins Netz gestellt.

Loseblattsammlungen sind oft nur die Einstiegsdroge zu härteren Suchtmitteln – Fangen Sie gar nicht erst an!

Natürlich tut die Bibliothek ihr Möglichstes, um Loseblattsammlungen möglichst fern zu halten: Verlagskataloge werden mit einem dicken Durchgestrichen und „Ankauf verweigert aufgrund Loseblattforms!“ in Umlauf gebracht, mit einem kecken „online verfügbar“ und Häkchen versehen, oder überhaupt gleich eingezogen und makuliert. Als Bibliothek fühlen wir uns durchaus verpflichtet unsere Forscher vor diesen gefährlichen Suchtmitteln zu schützen. Leider hat das wissenschaftliche Personal hier auch ein Wörtchen mitzureden, und was das Herz der Wissenschaft begehrt, wer wären wir es zu verwehren? Das Ganze ist schon schlimm genug, wenn es sich in der Bibliothek abspielt. Manche Lehrstühle horten aber in Ihren Handapparaten zusätzliche, besonders geliebte Haus- und Hof-Loseblattsammlungen. Nun würde man glauben, dass diese Werke dort einigermaßen geschützt und besser pflegbar wären. Leider passiert es aber auch in Handapparaten, dass Loseblattsammlungen verwildern, und zur Aufzucht und Pflege in die Bibliothek retourniert werden, meist vor den Sommerferien.

Einzig nach langem Kampf eingestellt werden durfte der vielleicht schlimmste Fall einer Loseblattsammlung, das Niederösterreichische Landesrecht. Diese Mappen kommen mit eigenen ARCHIVMAPPEN, in die das entnommene Material jeweils ein- und umzulegen ist, weshalb ein Bibliothekar aus dem Haus sie völlig zu Recht als „EXTREMLoseblattsammlung“ bezeichnet hat. Angesichts dieses Blätterhaufens können auch wir nur mit Musils Mann ohne Eigenschaften sagen:
Hier stimmt etwas ganz grundsätzlich nicht!

Vor langer Zeit habe ich eine Streitschrift wider die Loseblattsammlung begonnen. Da als Fortsetzung gedacht, hat sie das Schicksal vieler Loseblätter ereilt, sie musste vorerst unvollendet bleiben..Lesen Sie an dieser Stelle stattdessen die Einlageblätter 8a bis z.

Einlageblätter 8a bis z

Streitschrift wider die Loseblattsammlung

EU verbietet Loseblattsammlungen – Beschluss zum 1. April

Verwahrloste Loseblattsammlungen an Raststätten ausgesetzt

Heimatlose Blätter suchen ein Zuhause

 

 

 

O Bankenbaum!

Die Arbeiterkammer tut es, der Verwaltungsgerichtshof tut es, die Büchereien Wien tun es. Auch der stationäre Buchhandel tut es, immer wieder. Alle tun es. Auch wir, und zwar schon zum wiederholten Male! Der Dezember ist herangebrochen und versetzt Bibliothekare da und dort in den seeligen Taumel des Bücherbaum-Bauens. Nicht selten wird speziell für diesen Zweck ein Bestand aus erlesenen Dubletten gehortet, der nur einmal im Jahr zu seinem berüchtigten Einsatz kommt, und diese Dubletten sind natürlich primär eines: grün!

Es grünt so grün


Wenn Sie zur Adventszeit irgendwo eine Bibliothekarin stehen sehen, die in einer Mischung aus Konzentration und Wehmut auf die Entscheidungen des VfGH oder die Neue Zeitschrift für Arbeitsrecht starrt, dann handelt es sich nicht um eine fächerübergreifende rechtstheoretische Krise. Vielmehr können Sie davon ausgehen, dass hier im Kopf gerade die Architektur für einen geplanten Bücherbaum vor dem inneren Auge entworfen wird. Beide Sammlungen sind nämlich grün, und eigenen sich daher hervorragend für ein solches Unterfangen. Obwohl wir Bibliothekare normalerweise dem Sinnspruch „Dont judge a book by its cover“ recht viel abgewinnen können, rückt in diesen dekorativen Zeiten des Jahres tatsächlich der Einband kurzfristig in den Mittelpunkt des Interesses.
Als juristische Bibliothek hat man verlagsbedingt keinen großen Mangel an knallroten Büchern, die sich hier als Bänder oder Christbaumkugeln sehr vorteilhaft machen, und zur Nikolozeit macht am Campus sogar eine Werbefigur namens „Der WeihnachtsMANZ“ seine Runden, und verteilt kleine Geschenksäckchen an Studierende. Der kleinere Sramek Verlag hat mit seiner Verlagsfarbe das dunkelgrün überhaupt gleich zum übergeordneten Prinzip erhoben, und die Hans Kelsen Reihe, hier sehr geschätzt, ist zwar farblich stimmig, leider aufgrund der Banddicke nicht stabil genug. DeGruyter hat uns vor Kurzem zu allem Überfluss mit einer ganzen Reihe zum Bankenrecht beliefert, die uns in schönem Tannengrün daran erinnert, welche Zeit des Jahres angebrochen ist..


Die Konkurrenz schläft nicht
In unserem Infocenter am Hauptstandort wird inwischen schon traditionell etwas Weihnachtliches aufgebaut, so standen dort unter anderem in den letzten Jahren schon ein Adventskranz mit roten Kerzen und in einem anderen Jahr eine grüne Einzelkerze. Es hat nicht besonders lange gedauert, bis wir uns in der Bibliothek Recht dachten „Was die können, können wir schon lange!“, und zum Baumbau schritten.

Baumbau zu Babel – Machen Sie das nicht zu Hause nach

Die Königsdisziplin unter den Buchdekorationen ist mit Sicherheit der Weihnachtsbaum, und man braucht einiges Geschick und ein gutes Händchen für Statik, um einen solchen auf die Füße zu stellen. Tatsächlich habe ich in dieser Kunst schon etwas Ingenieurswissen erworben, das hier gerne geteilt sei (machen Sie das nicht zuhause nach!):
Es empfiehlt sich zuallererst einen stabilen Sockel aus dicken Bänden zu errichten, um den herum dann grüne Bücher als Zweige zu drapieren sind. Hier eignet sich irgendein obskures Landesrecht, wir empfehlen aus tiefster Überzeugung die Beilagen der Sitzungen des Vorarlberger Landtages, oder irgendwelche ähnlich dicken grauen Wälzer. Der Sockel ist das Fundament und trägt den ganzen Baum, es gilt hier dasselbe was für das Verhältnis von Bundes- und Landesrecht, und so manche Partei als Grundsatz taugt: Geht an der Basis etwas schief, dann hält die ganze Sache nicht. Bei gutem Baumbau sieht man den Kern des Baumes ohnehin am Schluss nicht mehr, was einige Freiheit in der Farbwahl lässt.

O Dublettenbaum

In der Bibliothek Recht pflegen wir seit Jahren einen grünen Dublettbestand, der nur aus dem Grunde des Baumbaus noch nicht ausgeschieden wurde und auf schwer erreichbaren Höhenregalen lagert. Wie jedes Jahr weisen wir sorgsam darauf hin, dass es sich bei den verwendeten Büchern ausschließlich um Dubletten handelt, und alle Bücher mindestens ein zweites Mal im normalen Bestand der Bibliothek zu finden sind. Den Nutzer und die Nutzerin interessiert das freilich wenig: Er macht sich zuverlässig am Sockel des Baumes zu schaffen, weil er just dort jenes lange ersehnte Werk zu erkennen glaubt, das er gerade dringend benötigt. „Halt, keinen Schritt weiter“, möchte man rufen, „das ist ein tragendes Buch!“

Tatsächlich ist einer der wesentlichen Bausteine die Sammlung arbeitsrechtlicher Entscheidungen, da sie ein selten vertretenens Hellgrün aufweist, das den Baum zu seinem schönen Blattwerk verhilft. Wir haben die Sammlung aufgrund der alten Institutsbibliotheken doppelt, was eine kundige Arbeitsrechtlerin darauf brachte, sich für die ausgesonderten Exemplare als Interessentin zu melden. Ich schrieb ihr in einem höflichen Mail, dass wir die Sammlung aufgrund ihres Grasgrüns ungern ganz abtreten würden, und wir verhandelten eine Zeitlang hin und her. Ein Vorschlag unsererseits, dass sie die ArbSammlung gerne gegen Austausch ANDERER gleich grüner Bücher stückweise freikaufen könnte, wurde ernsthaft und intensiv diskutiert (schließlich ist man juristisch bewandert).
Im Endeffekt konnte man sich auf eine Teilübernahme des Bestandes einigen, mit einem Rückrufrecht der Bibliothek, für den Fall, dass beim Baumbau ein Mangel an hellgrünen Werken auftreten sollte.
Es war einer der lustigsten Mailwechsel, die ich je hatte.

Auch sonst gibt es noch Traditionen, die im Dezember wieder zu pflegen sind: Unsere inzwischen recht beliebten Paragraphenkekse (erstmals zu unserem 4 Jahres Jubiläum produziert) wurden schon mehrfach eingefordert, und sollen auch dieses Jahr wieder in Produktion gehen. Als juristische Bibliothek kämpft man ja überhaupt ständig gegen den gemeinen Vorwurf an, hier wäre alles so trocken und humorlos, und man lässt sich alles mögliche einfallen, um dieses Klischee zu wiederlegen!
Gerne würden wir auch endlich einmal unsere Zeitschriftenboxen als überlebensgroßen  24Türen Adventkalender verwenden, oder in der Osterzeit ein paar Eier in den Regalen verstecken. Aber einiges lassen der Brandschutz, die Benutzungs- und Hygienevorschriften, sowie die eigene Vernunft dann eben doch nicht zu..:)

 

 

 

Vor dem Gesetz

Dieser Tage sind zwei besonders schöne Neuerwerbungen eingetroffen. Das eine ist die Festschrift zum 150jährigen Bestehen der Parlamentsbibliothek (Vorsicht, Kelsen-Content), auf die wir uns schon gefreut haben.


Das andere ist ein feiner kleiner Konferenzband, der sich an die gleichnamige Tagung anschließt: Vor dem Gesetz – Rechtswissenschaftliche Perspektiven zu Franz Kafkas Türhüter-Legende.
Von Kafka liest und hört man in diesem Blog auch immer wieder gerne, denn nicht nur hat das Rechtswesen als solches seine Abgründe, auch der Alltag in der Bibliothek und der Kampf mit der Technik mutet nicht selten kafkaesk an..

Die moderne Variante der Torhüter-Legende

Zu guter Letzt finden wir es anständig und richtig, dass wir nun ein Buch mit dem Titel „Vor dem Gesetz“ in der Bibliothek haben: Ein Buch namens „Hinter dem Gesetz“ haben wir nämlich bereits..

 

Schuld und Söhne

Diese Woche spendete uns ein Professor ein Buch für unseren Bestand, dessen Titel uns Mark und Bein gefrieren ließ: Der gespaltene Emittent! Spontan imaginierten wir bei diesem Titel eine düstere Figur als Mischung aus dem kopflosen Reiter und dem Einarmigen Banditen. Wir warten jetzt eigentlich nur noch auf die Horrorfilmfassung, und das Sequel: „Der gespaltene Emittent kehrt zurück!“. Das Kapitalverkehrsrecht ist eine brutale Angelegenheit, so viel ist klar. Doch gibt es auch andere Rechtsgebiete mit Krimipotential? – Wir haben uns umgesehen.
Der Herbst wird düster..

Klassiker für jung und alt
Die Älteren unter uns erinnern sich an Klassiker wie „Der Geschäftsführer ohne Auftrag“ oder „Der Steueroptimale Tod“, aber auch das Handelsrecht weiß mit guten Romantiteln aufzuwarten. Der erfolgreiche Geschäftsführer (offenbar Science Fiction), und die beiden Thriller Die unwahr gewordene Firma (ohne Tom Cruise) und Der Kaufmann, seine Vertreter und Gehilfen (ohne Venedig). Die Geschichten dazu müssen sie sich aber selbst ausdenken.

Freigegeben erst ab 18 Jahren

Dünn und brüchig verläuft die Linie zwischen Prosa und Juristerei. Aufgrund der übernommenen Institutsbestände haben wir allerdings, Schirach sei dank, tatsächlich das ein oder andere belletristische Werk im Regal.
Gruselschocker aus der Strafrechtsabteilung: Mord aus niederen Beweggründen, Die Haftung des Arztes, und Der privatärztliche Abrechnungsbetrug (ein Nervenzerfetzer für Sozialversicherungs-Sachbearbeiter).

Aber all das ist Kinderkram, und im Grunde auch für <16 Jährige freigegeben. Der wahre Grund, warum wir einen strengen Jugendschutz in der Bibliothek einhalten müssen, sind Hardcore Gruselschocker wie diese: Der Baum im Nachbarrecht und, nur für die besonders hartgesottenen Thriller-Fans: Mehrkosten im Bauvertrag.

Und auch für uns Bibliothekare war ein spannender Fund dabei: Der Bibliothekar als Betrüger. Dieses Werk (es stammt von 1930) wird sofort am Montag aus dem Magazin beschafft und einer näheren Betrachtung unterzogen werden müssen!

Der Bibliothekar als Betrüger. Schlagwort und Aufstellung, Schlagwortkatalog und Standortskatalog

Fifty Shades of Grey – die gemeine Poesie der Erwartungshaltung

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Die Erwartungshaltung ist ein Hund. Das zeigt sich nicht nur beim Zugfahren in der ÖBB Ruhezone (dort ist es nämlich alles mögliche, nur nicht ruhig), sondern trifft auch für das ein oder andere Buchcover zu. Über Thomas Bernhard wird erzählt, dass sich die Leute bei ihm beschwert hätten, weil sein Buch „Beton“, im Fachhandel in der Abteilung „Bauen und Wohnen“ einsortiert, ihren Erwartungen so gar nicht entsprochen habe. Wie muss es dann wohl erst seinem Roman „Holzfällen“ ergangen sein, möchte man denken, wenn man durch unser Festschriften-Regal schweift. Dort findet sich immerhin ein Werk mit dem pragmatischen Titel: Brücken bauen.
Fifty Shades

Festschriftenpoesie
Die Festschrift, von jeher eher ein literarisches Nischenprodukt,  dient heute allenfalls noch dazu Studenten mit dem Staub der Vergangenheit maximal zu langweilen. Auch die Publikationsgeschichte mancher Festschriften gleicht eher einem Trauerspiel mit hässlichem Termindruck, vergnüglich dazu Über das allmähliche Verfertigen der Festschrift beim Lektorieren. Vielleicht um ihren eher randständigen Charakter im Buchregal mit dem gewissen Chic zu kompensieren, tragen Festschriften oft die poetischsten, ja man möchte fast sagen, reißerischsten Titel. Sie funktionieren grundsätzlich nach der Formel „Hauptwort UND Hauptwort“ (Wahrheit und Pflicht/Krieg und Frieden/Sinn und Sinnlichkeit, etc.), beinhalten aber auch gerne ganze Sätze, die in Goldprägung auf körniges Dunkelblau hingeworfen sind, und jedem von Eichendorffschen Zitatespiegel Konkurrenz machen könnten: Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus, flog durch die stillen Lande, als flöge sie nach Haus. Eine besonders obskure Kategorie von Schriftentiteln vergemeinschaftet schließlich einen regionalen Aspekt mit einem möglichst weit umfassenden Sinnwort, was dann ungefähr so klingt:  Die Sintzsheimer Abgründe, die Olbrichsburger Argumente oder die berühmten Hohenheimer Horizonte, wer kennt sie nicht. Eine besondere Vorliebe für derlei imposantes Titelwerk hegt man offenbar in der Schweiz.

Fifty Shades of Grey

Ein Lehrender der hiesigen Anstalt schrieb jedenfalls eine Habilitation mit dem Titel „Wert und Preis“, und das ist ja nun von Jane Austens berühmten Roman „Stolz und Vorurteil“ durchaus nicht mehr weit entfernt, auch wenn darin wohl mehr geliebt und geleidenschaftet wird als im Gesellschaftsrecht.

Dont judge a Book by its cover
Aber nicht nur der Titel, auch das Coverbild eines Buches kann in die Irre führen und überzogene Erwartungen wecken. Erstaunliche Assoziationen und ein überwältigendes Hungergefühl weckten vor Kurzem einige neu eingetroffene Bücher zum englischen Schadenersatzrecht/Tort law, die auf den ersten Blick eher der Kochbuchsparte entstammen könnten. Tort law, na klar, von Torte, da müssen ja Kekse aufs Cover, könnte man meinen, aber dieser Kalauer ist denn doch etwas zu platt als dass wir ihn uns ernsthaft als Erklärung in Betracht ziehen wollten.

Absoluter Gewinner in dieser Kategorie bleibt bis heute der Delfin auf dem Kommentar für Arbeitsrecht, der uns Rätsel aufgibt. Warum der Delfin? Gelten Delfine als besonders sozial oder fleissig? Sollte drum hier die Brücke zum Sozialrecht zaghaft angedeutet werden? Sind sie in Gruppen unterwegs, vielleicht ein zarter Verweis auf das Kollektivvertragsrecht?.. Wir werden es wohl nie erfahren, womöglich hatte einfach jemand im Verlag eine Wette verloren, oder dem Setzer sind in der Hektik der Drucklegung eine Handvoll Urlaubsfotos ausgekommen. Wir Bibliothekare wollen ja immer das Gute und Schöne in den Dingen sehen, und vor allem erkennen wir stets ein System, selbst dort noch wo möglicherweise purer Zufall am Werk ist, oder anders gesprochen: Wenn man lange genug den Mond anstarrt, sieht irgendwann jeder ein Gesicht.

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Danksagungen
Aus diesem Grund werden wir sogar gelegentlich bedankt, was auch in poetischen Formulierungen geschieht.

 

Ein Garten voller bunter Pflanzen

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In einer großen Universitätsbibliothek ist immer etwas los. Während das Wetter in Wien sich zunehmend zur Stimmung eines Rilkegedichts verdüstert (Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben, wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben..), läuft die Bucherwerbung zu ihrem absoluten Höhepunkt auf. Zu keiner Zeit des Jahres werden so viele Bücher bestellt wie jetzt.

Wie die meisten Bibliothekarinnen haben wir eine bibliophile Ader, die sich gerne auch an rechtshistorischen Obskuritäten, Illustrationen, alten Stempeln und Exlibri sowie philosphischen Abhandlungen über das Rechtswesen und den Buchmarkt erfreut. Deswegen freut es uns besonders, wenn um diese Zeit des Jahres auch das ein oder andere Werk dieser Sorte zu uns kommt. Hier etwa ein Ausstellungskatalog zu Recht im Bild.

 

Wie auf Schienen: Haftungsfragen selbstfahrender Autos und die didaktische Apokalypse

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Zwei- oder dreimal im Monat stehe ich mit einer Kollegin vor Studierenden und bringe ihnen die Grundlagen der juristischen Recherche bei. Wir machen vor allem die Datenbanken, wir zeigen wie sie in der RDB und im RIS Gesetze und Artikel finden, und besuchen die selbst von Praktikern eher gefürchtete Parlamentsseite. Wir erzählen ihnen aber auch, was eine Festschrift ist (das wissen die Studenten heutzutage wirklich nicht mehr). Unser Standardsatz dazu lautet „Eine Festschrift hat vorne drin ein Selfie des Autors!“, weshalb man sie auch Selfie-Schriften nennen könnte. Ein billiger Schmäh, aber er wirkt. Dann erklären wir, wie man mit Kommentaren und Entscheidungssammlungen zurecht kommt, womit man Zitierweisen und Abkürzungen entschlüsseln kann (RIDA), und wo man fündig wird, wenn es einmal wirklich altes Material aus der Kaiserzeit sein soll (ANNO, ALEX, docdel).

Der Vorführeffekt

Im Internet in Kursen live etwas vorzurecherchieren gehört so etwa zum Anspruchsvollsten was man machen kann. Denn erstens ist das Internet eine Diva mit wechselnden Launen, und zweitens lauert er überall: Der Vorführeffekt. Wir kennen das alle, man klickt auf den Link „und hier sehen Sie, wie von Zauberhand, gleich öffnet sich ein Fenster“ und es öffnet sich eben nichts, sondern es passieren andere, schlimme Dinge. Und wir sehen vor unserem inneren Auge Alfred Biolek in einer dieser 80er Jahre Kochshows, und er sagt „Sehen Sie! die vollautomatische Orangenentsaftungspresse häckselt ganz kinderleicht ihre Orangen“ und die Orangen fliegen durch die Küche, der Entsafter, der doch eben noch kinderleicht, er bricht in zwei Teile und Biolek ist voller Orangensaft, und sehen Sie: So ähnlich ist das, wenn man im Internet etwas live vor Studierenden vorrecherchiert.

Vertretung von Gemeinden

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Man sollte deshalb selbst als Vortragsprofi nie auf die Idee kommen, nur mal schnell „spontan etwas auszuprobieren“ – das Risiko, dass etwas schief geht und Sie enden wie Biolek, ist relativ hoch. Aus diesem Grund hatten wir uns über die Jahre einige gut funktionierende und erprobte Beispiele zurechtgelegt, und eines dieser Beispiele war „Vertretung von Gemeinden“. Vertretung von Gemeinden heißt ein Paragraph im ABGB und wir hatten das Beispiel aus einer Themenliste unserer Lehrenden übernommen. Es gipfelte in einem OGH-Urteil über ein Benediktinerstift, das einen Hauswart kündigen wollte, und der Frage, ob die das nun dürfen oder nicht. „Vertretung von Gemeinden“ war als Beispiel ungefähr so sexy wie Gemüsebrühe, aber es war ein gutes und vor allem tatsächlich an der Uni von Studierenden bearbeitetes Thema, es trug uns gut durch die Zeit. „Vertretung von Gemeinden“ ermöglichte uns einen hurtigen Parforceritt durch die verschiedensten Datenbanken, und wir konnten anhand von nur einem Beispiel sowohl die Suche nach OGH-Urteilen und Zeitschriften mittels Operatoren, als auch das für Juristen symptomatische Abkürzungs-Chaos umfangreich behandeln. In der ersten Zeit, als ich vor dem Halten solcher Kurse noch schlaflose Nächte hatte, war „Vertretung von Gemeinden“ mein vertrauter Rettungsanker, der mich durch die Lehrveranstaltung trug. Mit der Zeit, und nach vielen vielen Kursen wurde es dann immer mehr zu einem lästigen  Ohrwurm, der nach Belebung durch etwas Frisches rief, er war schlicht zur Routine geworden. Noch heute aber könnten meine Kolleginnen und ich spontan auf jedem Marktplatz der Welt einen kurzen Vortrag über „Vertretung von Gemeinden“ und den Benediktinermönch halten, so sehr ist uns das Beispiel in Fleisch und Blut übergegangen.

Selbstfahrende Autos

Unser neues Beispiel handelt von selbstfahrenden Autos, und das finden wir aus mehreren Gründen ganz großartig. Wir befinden uns im Schadenersatzrecht, und das gefällt den Studierenden schon einmal. Im Schadenersatz geht es ja meistens darum, dass jemand einem anderem wehtut, etwas wegnimmt oder etwas kaputtgemacht wird, zum Beispiel man stutzt seine Hecke mit der Gartenschere und dabei versehentlich die Katze vom Nachbarn mit, und das gefällt den Leuten, denn es ist schön plakativ und man kann sich darunter (anders als bei der Rückabwicklung im Dreiecksverhältnis), zumindest etwas vorstellen.
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Am Schadenersatzrecht kann man gut den Technologiewandel begreifbar machen. Denn ging es in älteren Fällen darum, dass echte Menschen etwas falsch machen, so geht es jetzt zunehmend um Maschinen und Roboter, die nicht im herkömmlichen Sinne des Gesetzes „schuld“ an etwas sein können, aber dennoch selten tun, was sie sollen, wie etwa selbstfahrende Autos, Rasenmäherroboter (liebevoll auch elektronische Schafe genannt) oder schlicht Algorithmen.

Wer haftet?
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In unserem neuen Beispiel geht es also darum, wer haftet, wenn es zu Unfällen mit selbstfahrenden Autos kommt. Bei dieser Gelegenheit kann man herrlich auf alles eingehen, was den juristischen Beruf ausmacht: Eine gewisse Kreativität beim Interpretieren von Sachverhalten, die Freude am Analysieren von technischen Neuerungen, und nicht zuletzt das Bilden von Analogien für jene Zeichen des digitalen Fortschritts, für die der Gesetzgeber noch keine Lösung geschaffen hat: Denkt man sich das selbstfahrende Auto als eine Art Waggon, der wie von Zauberhand auf virtuellen Bahnen gelenkt wird, quasi „wie auf Schienen“, dann ist man schnell bei einem anderen Verkehrsmittel, nämlich der Eisenbahn. Und somit im EKHG und zunächst einer Art von Gefährdungshaftung, die das Gesetz für Tätigkeiten vorsieht, die man als „an sich gefährlich“ einstufen könnte, wie das Betreiben schwerer Maschinen, oder das Bilden einer Bundesregierung.

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Kluge Menschen haben sich darüber hinaus gefragt, ob das selbstfahrende Auto dem Betreiber wie eine Art Lehrling zuzurechnen sei, was dann wieder eine Art Verschuldenshaftung wäre. Und um das Kaleidoskop der Haftungsarten komplett zu machen, kann man die Sache auf die Spitze zu treiben, nämlich über das Produkthaftungsgesetz. Mittels einer Haftung für die zugrundeliegende Software könnte man in solchen Fällen den Hersteller der selbstfahrenden Autos belangen. Wenn man, und auch darüber ist diskutiert worden, denn annimmt dass Software ein körperliches Produkt im Sinne des PHG darstellt..und so weiter und so weiter, und letztlich landet man bei all diesen Themen  immer auch noch im Versicherungsrecht, dem etwas stoffeligen großen Bruder des Schadenersatzes.
Dies alles sind Fragen, anhand derer man wirklich sehr plastisch die Fortentwicklung von Technik und Recht beobachten kann, und die sich in Zukunft vielleicht noch viel häufiger stellen werden. Jedenfalls aber eignen sie sich hervorragend um mit Studierenden zu diskutieren und Gedankenexperimente anzuregen.

Didaktisch hinterlistig, wie wir sind, kann man zu Beginn ein kleines führerloses Auto an die Tafel zeichnen. Solche billigen Taschenspielertricks sind zwar ordinär, aber äußerst wirksam: Die Zuhörer merken sich so etwas nämlich. Sie denken dann von Zeit zu Zeit bei selbstfahrenden Autos an diese kleine Zeichnung, an den Kurs, und die juristischen Bibliothekarinnen, die ihn gehalten haben, und sie denken „Ah ja, das waren die mit dem Auto!“.
Nicht zuletzt finden wir es toll, dass zu all diesen und zusammenhängenden Haftungsfragen auch an unserer Uni schon Lehrende publiziert und kommentiert haben, von dem Manches sogar erst erscheinen wird. Stellvertretend für Viele:

Maximilian Harnoncourt, Haftungsrechtliche Aspekte des autonomen Fahrens (FN 1 , ZVR 2016/228 (547)

In diesem Sinne haben wir uns am vergangenen Mittwoch mit einem weinenden und einem lachenden Auge von unserem geliebten Anfangsbeispiel „Vertretung von Gemeinden“ verabschiedet. Wir werden es immer in Ehren halten, und wir hoffen dass unsere Kurse weiterhin so gut ankommen und laufen wie bisher, eben:
Wie auf Schienen.

 

 

 

 

 

 

Cover Art

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Gestern habe ich mein Büro verschönert. Aus einer Sammlung von Buchumschlägen, die schon seit vielen Monaten bei mir herumlagen, entstand in Windeseile und einem Inferno aus Uhukleber eine wandfüllende Kunstlandschaft aus Rechtstiteln.

Die Buchumschläge werden im Bibliotheksalltag spätestens in der Adjustierung nämlich abmontiert und entsorgt, was ich immer ein wenig schade fand. Aber in der Benutzung würde der Umschlag nur stören und schnell kaputtgehen, außerdem kann man das Buch so nicht etikettieren, daher handhaben das eigentlich alle Bibliotheken so.

Man sieht jedenfalls, dass unsere Departments ganz schön vielfältig bestellen, speziell die Oxford Handbooks haben immer wieder klassische Gemälde am Cover, die meistens auch einen Bezug zum Inhalt haben (zB Menschenrechte). Ich habe so in den letzten Jahren schon einiges über Kunstgeschichte gelernt, weil ich die Bilder zunächst mal selbst recherchieren musste.

Space Ship insights

Letzte Woche wurde ich vertauscht. Das heißt: Ich durfte für einen Kurzdienst von 2 Stunden im Team Regalmanagement im Library Center schnuppern kommen, und habe dadurch deren Aufgaben- und Einsatzgebiete etwas besser kennen gelernt.

Flughafen

Das Library Center funktioniert vom System her wie ein riesiger Flughafen, und schließlich sieht es ja auch aus wie ein Raumschiff. Hier arbeiten teilweise sehr viele verschiedene Personen an einem Prozess mit, d.h. dass systemisch dasselbe gilt wie in jedem größeren Krankenhaus:

  • Alles muss genau gekennzeichnet sein
  • Aufgaben sind möglichst so organisiert, dass sie nicht an eine bestimmte Person geknüpft sind, und:
  • Kommunikation ist entscheidend.

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Die Post bringt allen was

Ein wesentliches Service, das vom LC Team aus gesteuert wird, ist der CAMPUSLIEFERDIENST. Mit dem Campuslieferdienst werden Bücher aus dem Learning Center an die anderen Departments geliefert und auch von dort wieder zurück transferiert. Beides erfordert jedenfalls eine Menge verschiedenfarbiger Kisten und eine ausgeklügelte und komplexe Organisation. Im Grunde genommen sind immer von jeder Farbsorte mindestens zwei Kisten im Einsatz: Eine steht am Department und wartet auf Abholung, eine neue, gefüllte wird vom Lieferdienst gebracht, der im selben Zug die Retour-Kiste mitnimmt.

Wer (wie ich) bei der Post gearbeitet hat, ahnt bereits hier die wesentlichen philosophischen Fragen, die es zu erforschen gilt:

-Es kommt etwas in der Kiste mit, was nicht zu uns soll–>WARUM nur WARUM?
-Es kommt etwas NICHT in der Kiste mit, was aber SEHR WOHL zu uns soll.–>WARUM nur WARUM..?


Das Kofferband für Bücher

Unsere Bücher sind mit Barcodes und RFID Tags bestückt, das sind so die technischen Basics auf denen so ziemlich alle Prozesse beruhen. Bücher können an unserem Rückgabeautomaten auch spät abends noch retourniert werden, solange das Gebäude offen hat. Von den Rückgabeautomaten gibt es sicherheitshalber gleich zwei, und sie heißen MASTER und SLAVE (habe ich nicht erfunden, das ist wirklich so).

Hier sieht man wie ein Buch in die Einflugschneise kommt und in den entsprechenden Korb fällt.

 

Die WU bekommt Fernleihen aus aller Welt, und wenn diese etwa aus einem anderen Bibliothekssystem stammen, ist nicht gesagt, dass sie mit unserer Technik kompatibel sind. Das System ist aber schlau genug, um in solchen Fällen fiktive Barcodes vergeben zu können, damit auch Fremdmedien ein „Mascherl“ haben und erkennbar sind.

Geht bei all diesen komplexen Prozessen etwas schief, passiert dasselbe wie am Flughafen: Ein Koffer fliegt nach Indien, während der Besitzer nichtsahnend in Amsterdam sitzt.

Meter machen

Im Library Center werden Schalterdienste versehen, Aushebungen aus Magazinen und Bereitstellungen gemacht, Fernleihen spediert und nebenbei im Turnus Medien auf 6 Stockwerken eingesammelt, sortiert und rückgestellt. Wesentlich wichtiger als in den doch vergleichsweise überschaubaren Spezialbibliotheken ist daher eine gute Zeiteinteilung, oder man muss fast sagen, ein gutes Schritt-Management: Wenn man eine Aushebung aus dem Sondermagazin, zwei Fernleihen aus verschiedenen Stockwerken und zwei Wagen voll Bücher für den Freihand Bereich abwickeln muss, ist man gut beraten vorher zu überlegen, welche Route durchs Haus man nimmt, um keine leeren Meter zu machen. Da die Aufgaben auch nicht alle die gleiche Dringlichkeit haben, muss man im Kopf quasi laufend Prioritäten setzen „das mache ich jetzt zuerst“. Die Dienste im Library Center sind sicher sportlich fordernder und auch teilweise abwechslungsreicher als bei uns, dafür kommt man aber auch im ganzen Haus herum.

Alte Bekannte

wurden auch angetroffen; unter anderem einen Jus-Studenten, der mal Integrationsstaatsekretär war, lang ist s her (2013), und eine versteckte Sammlung von Loseblattsammlungen, die hier nur auf Anfrage verwendbar sind. Falls Sie mal Ihre Loseblattsammlung verwildert haben: Hier ist sozusagen der Modus Werkszustand.
UNTEN: Auch die Sicherheitsdienste diskutieren über den Rechtsfall „Was eine Jacke sei und warum“  und haben entsprechende Leitjudikatur ausgehängt.

Der Austauschdienst im LC war wirklich spannend und bereichernd. Ein interessantes Buch, das jemand per Fernleihe bestellt hatte, ist mir dann auch noch untergekommen, es wird natürlich für unsere juristische Bibliothek gleich auch bestellt.
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