Aller Herren Länder

Als Bibliothekare werden wir oft auch mit fremdsprachiger Literatur konfrontiert. Zum Spaß sage ich immer: „Selbstverständlich spreche ich wie alle Bibliothekare fließend Englisch, Griechisch und Latein und noch einige andere Fremdsprachen..“.

Fremdsprachige Titel haben ihren eigenen Flair, die die Sacherschließung gerne mal auf Irr- und Abwege führt:  Italienische Rechtsliteratur klingt immer so als würde gleich eine Revolution ausbrechen oder ein Manifest verkündet werden. Kyrillische Schrift kann ich nicht lesen, aber es sieht mal grundsätzlich ehrfurchtgebietend und gefährlich aus. Französische Titel haben etwas Anrüchiges, das man nur hinter verschlossenen Türen verhandeln möchte: „Droit des Affaires“, Ou lala!, denkt man sich da, und insgesamt lesen sich französische Cover immer ein wenig wie die Ankündigung zum Grand Prix Eurovision de la Chanson Européenne usw. Hier entstehen auch gerne Missverständnisse. So behandelt etwa „La désignation des gouvernantes“ nicht „Die Ernennung von Gouvernanten“, was den unbefangenen Leser etwas enttäuscht zurücklässt.

Spanische Bücher schließlich haben eine gewisse Lässigkeit. Selbst dem trockensten steuerrechlichen Thema wird hier mit dem passenden Sounding noch der abenteuerliche Charme eines windigen Gebrauchtwarenhandels verlieren, man sieht eine verlassene Tankstelle im Wüstensand, Heuballen wehen durch die Gegend und die Autorennamen klingen wie Cowboys oder Hollywoodschauspieler. Ay Caramba.