Getting your shit together – Wer Notizbücher gebraucht, hat die Kontrolle über sein Leben gewonnen

 

Vor kurzem hatte ich noch darüber gespottet, nun ist es tatsächlich so gekommen: Der zitronengelbe Linde Verlag hat es als Werbeaktion wahr werden lassen: Der  KODEX – das Notizbuch.
Vermutlich werde ich aber niemals irgendetwas in diesem Notizbuch schreiben. Für kreative Chaoten wie mich ist das Notizbuch in etwa das psychohygienisch aufgeladene Pendant der Lagerfeldschen Jogginghose: Wer ein Notizbuch besitzt und es sichtbar mit sich herumträgt (ganz gleich wie leer es sein mag), der hat, das weiß man doch, sein Leben im Griff. Ein solcher Mensch ist dort angekommen wo er hinmuss, er hat den Überblick, er lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen, hat vielleicht sogar einen papiernen Kalender, und was könnte vertrauenserweckender sein.

Whatever floats your boat

Notizbücher spenden Vertrauen, sie sind die beblätterte Waffe der Bürohengste, das FEEL GOOD Produkt der planlosen Hektiker. Und kein noch so smartes Phone vermag zu erzeugen, was dieses hoffnungsfrohe Beschreiben der ersten Seiten in einem neuen Jahr in einem auslöst. Ich hätte immer gerne zu diesen notierenden Menschen gehört, ihr Leben muss ein glückliches sein, sie haben das geschafft was man im Englischen wenig fein „getting your shit together“ nennen würde. Verwunderlicherweise habe ich mein Leben auch ohne Notizbuch ganz gut im Griff, ich schaffe es Termine einzuhalten, bin pünktlich, zuverlässig und sachlich wie räumlich orientiert.  Aber es geht hier auch mehr um die Emotion. Man kann sein Leben auch in einem Stoß wechselnder Post-its gut organisiert kriegen, bewährt ist immer das System, das funktioniert. Nur ein Notizbuchmensch wird wohl nicht mehr aus mir. Bevor dieses gute Stück daher auf dem Stapel anderer angefangener Notizblöcke landet, gestatten Sie mir diesen einen kurzen Moment bürokratischer Hybris.

 

Off Topic: Erinnerungsstücke

Dieses Kleid stammt von meiner Oma, die vor Kurzem im 94. Lebensjahr verstorben ist. Zu Ostern habe ich es getragen und mich sehr daran gefreut. Das Kleid hat sie ziemlich sicher auf einer ihrer Reisen gekauft; mein Großvater war Archäologe und sie hat ihn auf fast allen seiner Reisen und Ausgrabungen begleitet. Das Kleid stammt vermutlich aus Griechenland, eventuell auch aus Italien und vom Stil her könnte sie das in den 70er Jahren gekauft haben, eventuell aber schon viel früher in den 50ern; genau wissen wir es nicht. Es gab aber dort zu beiden Zeiten in diesen Ländern solche Kleider, es gibt sie teilweise auch heute immer mal wieder.

Was abseits des Stils fasziniert: Diese Sackkleider, die in den 50ern so richtig aufgekommen sind; man fragt sich ja schon ein bisschen, wie die Frauen das früher gemacht haben.

Selbst bei sehr schlanker Figur muss man ausgesprochen diszipliniert den Bauch einziehen, um nicht selbst wie ein Sack auszusehen, das Kleid arbeitet da sozusagen gegen einen, und das ist noch sehr höflich ausgedrückt.
Es zeigt sich: Man muss wirklich KERZENgrade dastehen, wenn man so etwas anhat. Vielleicht aber war es den Frauen damals einfach gleichgültig, dass das der Figur nicht gerade schmeichelt, sie hatten vielleicht Wichtigeres zu tun, legten mehr Wert auf Bequemlichkeit (denn bequem sind diese Kleider wie nur was), oder es waren Kleider mit diesem Schnitt einfach gebräuchlicher im Alltag.
Ein schöner und etwas rätselhafter Fund jedenfalls, ich freue mich dass ich das Kleid in meinem Schrank habe, deswegen wollte ich auch kurz etwas dazu schreiben.
MODE aus anderen ZEITEN

4 Jahre Bibliothek Recht

Recht viel zu feiern
Letzte Woche haben wir mit einem rauschenden Fest das 4jährige Bestehen der Bibliothek Recht gefeiert.

Juristisch naheliegend gabs eine Völkerrechtslehrstunde, bei der die Geschichte der Bibliothek als Staatsgründung nacherzählt wurde: mit dem Zusammenwachsen von Territorien, Machtkämpfen der Bibliothekshoheiten, und schließlich der Entwicklung der “Bevölkerung”..
Die ganze Geschichte gibt es hier zum Nachschauen:
https://prezi.com/p/o0u5afq_vgdv/

Wir sind noch immer ganz überwältigt von den vielen positiven Worten, und von Natur aus eher introvertierte Bibliothekarinnen, erholen wir uns erst allmählich von der ungewohnten Adrenalin-Ausschüttung.

Der Mercedes unter den Buchwägen

Bald auch in Ihrer Bibliothek!
(heute mal ganz ernsthaft und technisch)

Der Mercedes unter den Buchwägen

Im Sommer erhält die komplette Buchwagen-Flotte (17 Wagen)
der Bibliothek Recht eine neue Bereifung.

Aus Gründen des Schallschutzes wurden zwei verschiedene Rädertypen getestet,
die in Bibliotheken zum Einsatz kommen und gemeinhin unter dem Begriff „Flüsterräder“
laufen. Die unterschiedlichen Reifen wurden in Probefahrten von
bibliothekarischem Fachpersonal und Mitarbeitern der Haustechnik geprüft; da
davon aus Anstandsgründen keine Fotos angefertigt wurden, oben eine kleine
Skizze.

Wir hätten ja im Traum nicht gedacht, dass wir uns einmal mit so einem Thema beschäftigen würden. Gar nicht leicht zu entscheiden, denn wie beim Neuwagenkauf stellen sich
verschiedene komplexe Fragen:
-Die grauen Reifen (unser Favorit): Luftgepolstert und sehr geräuscharm, dafür
wartungsintensiver, da Luft nachgepumpt werden muss und Wagen einen „Platten“
bekommen können.
-Die schwarzen Reifen: Hartgummi und etwas günstiger, dafür mit störendem
Quietschgeräusch beim Lenken.

Zu beachten ist dabei ohne Witz, dass unsere Buchwagen im
täglichen Betrieb teilweise extremen Belastungen ausgesetzt sind, erheblichem
Gewicht und weiten Strecken.

Auch Abrieb und Profil der Reifen, Anfahrt im Steilhang,
Kurvenlage und Navigieren über Blindenleitlinien wurden ernsthaft diskutiert
und überprüft, da die Bibliothek mit befahrbaren Rampen auch abschüssiges
Terrain einschließt.

Mutigen Probanden bieten wir noch für kurze Zeit die Möglichkeit, nach der
Öffnungszeit eine Probefahrt mitzuerleben.