Cyberspace Odyssee

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Die Wenigsten wissen, dass Odysseus zwischen dem Kampf gegen Skylla und Charybdis auch 3 langwierige Updates auf seinem Iphone installieren musste, während ihm garstige Netzbetreiber die neueste Billigtarife in die Ohren brüllten. Sie versuchten ihn mit schnellem Glasfaser-Internet und Flatrates in den Abgrund zu locken, mussten aber letztlich unterliegen. Prüfung 11b: Installieren von Updates auf Endgeräten

Horrorfilm für Bibliothekare

„Also, nix für schwache Nerven, hört zu: Es war einmal ein Institut, das hatte einen Praktikanten! Der sollte dort die Loseblattsammlungen pflegen..“
„Wow ist das gruselig, ich fürchte mich jetzt schon..“ (bibber) 
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– „Also der Praktikant pflegte die Loseblattsammlungen…aber er war dabei nicht besonders aufmerksam..{Schluck}
..Er legte die Blätter meistens einfach irgendwie so hinein, und packte den Deckel wieder drauf..wird schon keiner merken, dachte der sich..“ {Bibliothekare zittern}
„Und dann, und dann??“ 

„Also jedenfalls, sein absolutes Glanzstück kam auf dem Gebiet des Strafrechts: Da hatte er irgendwann den Überblick über die Mappen verloren..“ {Ängstliches Raunen der Bibliothekare:}
„Und dann, und dann??“
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– „DANN, jetzt haltet euch fest: legte er einfach StGB und StPO bunt durcheinander IN EIN UND DIESELBE MAPPE!“
KREISCH!!! {Man hört entsetzte Schreie, Stühle knirschen, Kruzifixe fallen von der Wand, Tiere fliehen}
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„Ja, liebe Kinder, so war das damals, und wenn sie nicht gestorben ist, so lebt die Loseblattsammlung noch heute. Der Praktikant hatte irgendwann gekündigt. Die Loseblattsammlung aber spukt in dunklen Institutsecken herum und jagt nach verlorenen Seelen, und führt ihr schauerliches Dasein, als grausiges Halbwesen aus materiellem und formellem Recht! ENDE *
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*Das StGB enthält auch Bestimmungen die eher dem formellen Recht zuzuordnen sind. Gruselig. 

 

 

 

Halloween — Der Buchfluch

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Wallofried war ein ganz normaler Student, bis „die Sache“ passierte. Er hatte versucht ein Buch aus der Bibliothek Recht zu stehlen, das er für eine Prüfung brauchte. Wallofried dachte, das würde schon niemand bemerken, ABER: Eines Nachts wuchsen ihm FÜRCHTERLICHE! KLAUEN, und seine Hände, mit denen er das Buch entwendet hatte wurden zu grauenerregenden Tentakeln! Damit nicht genug. Als er die Bibliothek über den Diebstahl des Buches auch noch belog, und versuchte sich herauszureden, da wuchs ihm ein gewaltiger Schnabel, und seine Zähne wurden zu spitzen Hauern! Noch heute geht die Sage von Wallofried dem Garstigen, der an kalten Winternächten in der Bibliothek sein Unwesen treiben soll, und die Seelen von frechen Erstsemestern jagt..Daher liebe Studierende, bevor ihr ein Buch stehlen wollt..denkt daran, wie es dem armen Wallofried erging…denkt an ihn…muhaahahahahahaha (lachend ab)

 

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*Peter suchte anfangs nur einen Gelegenheitsjob, um seine teure Schauspielausbildung zu finanzieren. In der Bibliothek fand er ein Einsatzgebiet, das seinen pantomimischen Fähigkeiten und seinem latenten Sadismus eine nie geahnte Entwicklungsmöglichkeit bot, und so wurde er bald ein unverzichtbarer Teil des Teams.

Des Kaisers neuer Kleidungsstil

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Der neue Stil


Es war einmal ein Kaiser, der wollte seine Macht im Lande ausbauen. Seine Umfragewerte waren grundsätzlich gut, aber die Art und Weise wie er an die Macht gekommen war, war nicht bei Jedermann gut angesehen, andere hielten ihn für zu jung.
Also holte der Kaiser sich einige Consulter, Spin-Doctoren, Medien-Coaches und Quereinsteiger an seine Seite. Die sollten ihm helfen seine Ideen umzusetzen, und seine Marke auszubauen; er wollte etwas anderes, das ihn frisch und authentisch rüberkommen ließ. Er wollte einen neuen Stil.
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Die Berater des Kaisers empfahlen eine Kooperation mit einer Modelinie, die gelinde gesagt in Fachkreisen umstritten war.
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Nach kurzer Zeit präsentierte der Kaiser dem Volk sein neues Kabinett und seinen neuen, völlig anderen Kleidungsstil.
Das Volk war besorgt.
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Mit der Stimmung im Lande ging es bergab. Der Kaiser zeigte sich bei regelmäßigen Paraden, die neuen Kräfte in seiner Regierung aber trieben ein gefährliches Spiel, sie zerstörten die demokratische Kultur im Land, verprassten Geld und Ansehen, und machten vor den Augen des Volkes den größten Unfug und die schändlichsten Händel.
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Der Kaiser bekam wohl mit, dass dies keine Einzelfälle waren, und seine neuen Partner dem Lande schaden würden. Aber er dachte bei sich: Nunja, besser ist’s man redet über die, dann fragt auch niemand nach meiner Hofkasse, meinem Studienabschluss und meinen Jugendsünden.

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Die Situation im Lande war bedrückend. Das Volk getraute sich kaum mehr offen zu sprechen oder zu fragen, und auch die Medienlandschaft zitterte um ihre Freiheit. Keiner wagte auszusprechen, was indes für alle klar ersichtlich war: Ob denn der neue Stil am Ende gar kein so neuer Stil wäre..? Sondern bloß neuer Anstrich, auf alten, sehr hässlichen Fahnen.

Eines Tages hielt der Kaiser eine seiner Paraden ab, da hielt es ein kleines Kind nicht mehr auf seinem Sitz, es sprang auf und schrie heraus: „IBIZA! Das ist kein neuer Stil! Seht ihr denn nicht, dass der Kaiser gar kein Rückgrat hat!?“

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Das Volk war schockiert. Aber es machte sich auch eine große Erleichterung bemerkbar. Wie ging es weiter: Die Berater von einst waren lang über alle Berge, sie hatten zu guter Letzt noch ein paar gute Geschäfte gemacht (das ist übrigens meistens so).
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Ein paar Leute mussten zurücktreten, jemand wollte eine Zeitung kaufen, und jemand hatte keine Oligarchennichte, tja, und dann gab es auch Neuwahlen. Jedenfalls es war alles sehr hässlich, das kann ich ihnen sagen.
Die Leute im Land aber waren froh, dass nun wieder etwas frohere Zustände einkehren konnten, und sie hofften mit verwunderlichem Optimismus auf eine Neustabilisierung der Regierung. Das tun sie noch heute, wenn sie nicht gestorben sind.

Und die Moral von der Geschicht: Der Mensch ist korrumpierbar als a Ganzer, vom Anfang bis zum Ende. Und wer von sich aus nicht schon korrumpierbar ist, den korrumpiert am Ende die Macht.
GEHT WÄHLEN

 

R*****lstilzchen und der Datenschutz

Märchen neu erzählt
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Es war einmal ein Bibliotheksnutzer, der war besonders neugierig. Er suchte ein Buch, das aber entlehnt war, und da er sehr ungeduldig war, so ging er zum Bibliotheksschalter und dachte er könnte so herausbekommen, wer das Buch bei sich hätte.

 

„Gewiss dürfen Sie mir nicht sagen wer ein Buch entlehnt hat, oder?“ – „Sehr richtig.“ sagte die Bibliothekarin „aus Datenschutzgründen dürfen wir darüber keine Auskunft erteilen.“.

„Nunja“, meinte der schlaue Nutzer „ich bräuchte es aber wirklich mega urgent, Frau Bibliotheksmiss, nämlich!“. „Tut mir leid.“ sagte die Bibliothekarin.
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„Ich könne ja raten..“ meinte der Nutzer darauf..“dann bräuchten Sie gar nichts verraten und wären total safe..“
-„NEIN.“
„Ach kommen Sie..es ist bei Prof. Hinz, ich weiß es doch! Das ist genau sein Fachgebiet..alle DSGVO Kommentare stehen bei ihm im Handapparat..“
-„NEIN!“
„Wie NEIN? – NEIN er hats nicht? – Ha!“
-„NEIN. Bitte gehen Sie jetzt.“

 

Der Nutzer wurde immer aufdringlicher und schielte distanzlos auf den Bildschirm des Computers. Durch Schmeicheleien und Komplimente versuchte er die Bibliothekarin für seine Sache zu gewinnen. Der mehrmaligen Aufforderung  einen Sicherheitsabstand einzuhalten, wollte er nicht Folge leisten.
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„Ich habs: Dann heißt er vielleicht Kuntz!“
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Der Nutzer überschritt nun wirklich die Grenzen der Höflichkeit. Er tanzte wild in der Bibliothek auf und ab, und nannte alle personenbezogenen Daten, die ihm in den Sinn kamen. „Ist der Entlehner blond oder brünett?“ – „NEIN.“ – „Hat er eine Brille?“ – „NEIN.“ „Keine Brille also, vielleicht ein auffälliges Haustier?“ „NEIN! „Eine spezielle Vorliebe, ein Hobby, eine politische oder sexuelle Orientierung oder sonst irgendetwas von Krankheitswert?“ – „NEIN!“.
„Fahhradfahrer?“ – „Ich weiß nicht.“ „Ohrringträger?“ – „Vielleicht.“. „Aha! Eine Frau!“ -„NEIN! GEHEN SIE JETZT!“
„Also keine Frau?“ Hm…..dann…heißt er vielleicht…R*****stilzchen?!!!“
„Warten Sie kurz..ähm..NEIN.“
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Da wurde es dem Nutzer zu bunt. Aus Wut darüber, dass er partout keine Auskunft von der Bibliothekarin erlangen konnte, verlor er völlig die Fassung. Er nahm sein Bein in die Hand, und riss sich selbst entzwei (diese Stelle hat die Bibliothekarin schon als Kind aufgrund ihrer Akrobatik tief fasziniert).
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Die Bibliothekarin aber lebte glücklich und datenschutzkonform weiter in der Bibliothek.
Und die Moral von der Geschicht: Als Bibliothekare sind wir Hüter des Wissens und der Weisheit. Wir verraten keine sensiblen personenbezogenen Daten an neugierige Menschen. Und Sie sollten das auch nicht tun.

Märchen, neu interpretiert

In letzter Zeit hat die EU-Reform des Urheberrechts um das Thema Uploadfilter zu vielen Debatten geführt, die selbst für Informationsprofis nur noch schwer zu entwirren sind: Während die einen sich vor  globaler Zensur durch Großkonzerne fürchten und für die „Freiheit des Internets“ sogar auf die Straße gehen,  sehen Journalisten, Autorinnen und Verlage die Chance heraufdämmern ihren Content im Netz besser gegen unrechtmäßige Verwertung zu schützen. Dass Regulierung nicht unbedingt immer etwas Schlechtes sein muss zeigt sich auch in anderen Lebens- und Rechtsbereichen, und da man als Bibliothekarin ja bekanntlich immer das Überzeitliche sehen soll, starte ich hier gleich mal eine neue Reihe, die sich den Themen der Zeit annehmen soll. Ich nenne sie „Märchen, neu interpretiert.“, und heute also

Der Datenfänger von Hameln

Es war einmal eine Stadt, nicht weit von hier, da lebte man glücklich und zufrieden. Und ohne Internet. Eines Tages kam ein Mann (wahrscheinlich war er ein Consulter), der schlug den Stadtoberen vor, dass sie doch ein flächendeckendes WLAN in der Stadt einrichten sollten. Er bot sich auch an dabei zu helfen, damit alle Menschen das Internet in einer gesicherten Form nutzen könnten. Aber er wollte dafür auch ein angemessenes Gehalt.

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Die Stadtoberen waren empört. Internet, so ein Unfug, sagten sie. Der will uns doch nur was andrehen! Sie jagten den Mann aus der Stadt. Im Weggehen verfluchte er die Bewohner und ihren Stursinn.

 

In der Stadt lebte man eine Zeitlang weiter friedlich vor sich hin. Bis eines Tages plötzlich die Säulen kamen.
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Die erste Säule stand am Marktplatz. Sie war eines Tages plötzlich da. Die Säulen boten kostenfreies WIFI an, und sie standen bald überall. Man musste sich nur mit seiner Mail-Adresse registrieren, dann konnte man das Internet kostenfrei nutzen.
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Die Leute waren begeistert.
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Sie scharten sich mit ihren Endgeräten um die Säulen wie Motten um das Licht, und nutzten fleißig das Internet. Dass sie dafür persönliche Daten an die Säulenbetreiber übermittelten, war ihnen egal, sie wollten schnelles Internet, möglichst überall.

Das Angebot an Säulen in der Stadt reichte bald nicht mehr aus, um den Bedarf zu befriedigen. Also baute ein großes Säulenunternehmen eine riesige Empfangssäule in ein nahe gelegenes Tal. (okay, Plot hole, aber in dem Tal war gut Platz dafür, okay?).

Auf der Suche nach schnellem Internet wurden die Leute immer maßloser. Sie starrten nur noch auf ihre mobilen Endgeräte, liefen ziellos auf der Suche nach Empfang durch die Stadt, und strauchelten über Steine und Sträucher. Auch waren sie sehr abhängig geworden, von ihren Säulen.

Eines Tages fiel ein Teil des Internets aus. In ihrer Panik stürmten die Leute in Richtung des Tals mit der großen Säule (sie streamten gerade alle eine wichtige Serie auf ihrem Gerät), es entstand eine Art Massenhysterie.

Hameln7Und so stolperten die Leute und fielen übereinander, sie stürzten alle in einer riesigen Schar hilflos in den Fluss im Tal hinunter, und ihre Endgeräte versanken am Grund des Gewässers.

hameln3Nach diesem unglücklichen Zwischenfall wurden die Säulen wieder abgebaut. Die Stadt lebte fortan wieder ohne Internet.
Hätten Sie doch, sagte man später. Hätten sie doch auf den Mann mit dem Internet gehört, dann hätte er sie nicht verflucht.

Und die Moral von der Geschicht? Tja, das ist schwer zu sagen, Datenschutz ist eine komplexe Sache, eine einfach Antwort gibt es nicht 🙂
Kompetente Mediennutzung ist aber immer eine gute Sache. Und das ist das Ende der Geschichte.

 

Neue Passwörter

Eines Tages kamen die Leute von der IT-Abteilung und sagten,
dass wir neue Passwörter bräuchten.
Bisher hatte jeder von uns nur ein Passwort gehabt, das für alle unsere Portale
funktionierte. Aber die IT-Leute sagten, das wäre nicht sicher genug.
Von nun an sollte jeder von uns zwei Passwörter haben; von denen eines für das
Anmelden beim Computer, und das andere für alle Internet-Anwendungen benutzt
werden sollte.

Die zwei Passwörter durften nicht dieselben sein, und
sollten sich wesentlich voneinander unterscheiden. Außerdem musste jedes
Passwort mindestens 18 Stellen haben und Zahlen, Groß- und Kleinbuchstaben
beinhalten, außerdem mindestens einen Hieroglyphen, Blindenschrift, ein
Rilke-Gedicht, Feenstaub und noch einige andere international anerkannte
Standards.

Ein Kollege fragte, ob er den Namen seines Haustiers
weiterhin verwenden dürfte, denn er hätte dieses Passwort jetzt schon seit 20
Jahren verwendet, und er könne sich sonst einfach nichts merken.
Er könne den Namen ja auch dreimal hintereinander schreiben, damit das
Passwort lang genug würde. Aber die IT-Leute sagten, das wäre nicht sicher
genug. Sie erklärten uns, dass wir in Zukunft unsere Passwörter jeden Monat
ändern müssten, weil sie sonst zu leicht geknackt werden könnten.
Dazu würde es reichen jeden Monat einen kleinen Buchstaben zu verändern, aber zumindest
ein Buchstabe müsste regelmäßig geändert werden. Sonst würde das Passwort gesperrt
werden.

Auch sollten wir keine einfach zu erratenden Passwörter wählen, die mit uns in
Verbindung standen, wie einen Namen, unser Geburtsdatum oder leicht zu
erratende Zahlenfolgen wie “12345″
(an dieser Stelle wurden einige im Podium rot).
Zum Abschluss schärften sie uns noch ein, dass wir unsere Passwörter nirgends
aufschreiben, und auch mit niemandem darüber sprechen dürften.
„Am besten machen Sie sich einen Merkspruch, eine Art Eselsbrücke. Die sagen
sie dann innerlich immer leise vor sich hin, und dann tippt sich das Passwort
ganz wie von selbst!“

In den nächsten Tagen geschahen interessante Dinge.

Die Mitarbeiter von der IT-Abteilung mussten immer wieder
vorbeikommen, um die Passwörter zurückzusetzen, weil ständig Leute ihre
Passwörter verwechselten oder vergaßen. Und wenn man dreimal falsch getippt hatte,
war man überhaupt für den Rest des Tages gesperrt.

In der kleinen Kaffeeküche saß jetzt gegen 11 Uhr oft schon
eine kleine Gruppe von Leuten, die entweder auf den nächsten Einsatz der
IT-Abteilung warteten, oder für den Rest des Tages in allen Systemen gesperrt
waren.

Auch am Gang traf man immer ein paar Kollegen, die sich gegenseitig ihre
neuesten Passwort-Katastrophen schilderten. Zu einer solchen Gruppe gesellte
auch ich mich nach einigen Wochen, weil ich meine Passwörter schlussendlich
auch dreimal falsch eingegeben hatte, und nun nicht mehr weiter arbeiten
konnte.
Gefragt, ob sie meine Liste mit den Korrekturen schon gelesen hätte, sah mich die
Kollegin mit merkwürdig verschmitztem Lächeln an. Dann rollte sie mit irrem
Blick die Augen gen Himmel und murmelte: „Ach weißt du, ich bin nicht mehr so
oft..online..“.

Diese Vorfälle häuften sich.
Auf die Beantwortung von Mails musste man jetzt teilweise mehrere Tage warten,
und wenn man versuchte die Leute telefonisch zu erreichen, nahm niemand den
Hörer ab. Erhielt man dann nach Tagen endlich eine Antwortmail, hatte sich das
ursprüngliche Anliegen oft schon wieder erledigt, und so etablierte sich
allmählich eine entschleunigte Unternehmenskultur.

Aus einem naheliegenden Büro hörten wir eines Tages Flüche und Beschimpfungen,
und hektisches Trommeln, als würde eine Tastatur gegen Metall geschlagen.
Als wir leise näher traten, saß dort eine Kollegin schwitzend vor ihrem Rechner,
und stammelte mit wirrem Ausdruck gebetsartig das immer selbe Sprüchlein vor
sich her:
„Hicketi hucketi puck! die kleine Raute guck! Sie sitzt im Eck vom 7er klein, da
muss auch gleich die Klammer sein, es kreuzt das Fragezeichen steil..der
Beistrich trifft den Omega-Pfeil..“

Ein leichtes Schaudern erfasste uns, und wir wendeten uns
diskret zu einer Fensternische. Dort saß Kollege R. heulend mit seinem Laptop
auf dem Schoß, der Bildschirm war komplett schwarz. Wir schwiegen lange, und
Kollege R. sah uns mit traurigen Augen an.
„Ich fühle mich alt.“ sagte er.
Der Kollege mit dem Haustier hatte sich gleich nach den ersten Tagen krank
gemeldet, und war seither nicht mehr in der Arbeit gesehen worden.

Das ist alles lange her. Seither ist vieles anders geworden.
Wir verbringen jetzt viel Zeit im Freien. Wir sitzen am Feuer und erzählen uns
Geschichten, diskutieren über die Politik und das allgemeine Weltgeschehen, wir
gehen spazieren, lassen Drachen steigen und reden über Kochrezepte, die wir aus
gedruckten Büchern abgeschrieben haben.
Das Leben ist schön eigentlich.

Ich weiß nicht, ob wir jemals an unsere Schreibtische
zurückgehen werden, aber im Moment sieht es nicht danach aus.
Unseren Kindern aber wollen wir einmal erzählen, wie das war, damals, als die neuen
Passwörter kamen.