
Librarian-Socrates after his second Bottle.
Die tiefere Ordnung der Dinge

Librarian-Socrates after his second Bottle.

“Es ist Mittag. Lasst uns den Pappkameraden aufstellen und was essen gehen.”

Die etwas versöhnlichere Variante der Loseblattsammlung ist das “Faszikelwerk”. Der rechtsfortbildenden Einwirkung durch die Forschergemeinde sind hier kaum mehr Grenzen gesetzt.

Jedes Jahr vor der Ferienzeit werden zahlreiche verwahrloste Loseblattsammlungen von ihren überforderten Besitzern in Bibliotheken ausgesetzt. Haben Sie ein Herz und übernehmen Sie Verantwortung für Ihre Lieblinge.
Wer immer mit Loseblattsammlungen zu tun hat, kann nur
schwer verkennen,
dass es sich bei dieser Mediensorte im Grunde um so etwas wie sehr unerzogene
und gewaltbereite Haustiere handelt:
Zunächst mal muss man sie ständig füttern, sonst Problem.
Bevor man das aber tun kann, muss man die herumstreunenden Mappen erst einmal
suchen und mühsam einfangen, weil sie zum ziellosen Herumflottieren (beim
Institutspersonal) neigen, anstatt an ihrem Platz zu bleiben.
(Das akademische Personal weiß längst, dass Loseblätter nur
bei einigermaßen exklusiver Nutzung wirklich zu gebrauchen sind, und schützt
sie vor Zugriff durch die üblichen Ausreden („müssen Kommentar überarbeiten,
Verlag wartet dringend auf korrigierte Druckfahne..“ etc.).
Voller Neid blickt daher das Bibliothekspersonal in die Gerichts- und Behördenbibliotheken,
wo ein gelobtes Land voller verfügbarer, gut gepflegter Bestände ohne der
schädlichen Einwirkung von studentischen Nutzern vermutet wird.
Wie Haustierbesitzer, die vor der Ferienzeit ihres Lieblings überdrüssig
werden, setzt denn auch der Wissenschaftler und die Wissenschaftlerin die
Loseblattsammlung pünktlich vor den Ferienmonaten in der Bibliothek aus, wo sie
mit etwas Glück von aufmerksamem Bibliothekspersonal gefunden und bis zum Semesterbeginn
mühsam wieder hochgepäppelt werden kann. Das Institutspersonal ist in den
Ferienzeiten selten durchgängig vorhanden, und weiß dass eintrudelnde
Ergänzungslieferungen kaum zeitig eingelegt werden würden, da soll sich lieber
ein Fachmann drum kümmern, die Bibliothek oder sonst ein armer Teufel, und
überhaupt hat man angesichts des kruden Blattwerkes schon vor längerer Zeit die
Nerven verloren.
Die Bibliothek dient hier gewissermaßen als Autobahnraststätte unter den
Literaturorten: Zur Stauzeit chronisch überlaufen und etwas abgeranzt, dennoch
mit einem großen Herz für verlorene Seelen..
Weitere Parallelen zwischen Loseblattsammlungen und wilden
Tieren:
-Hat Klauen und Zähne, tut weh wenn beißt
-verschlingt Unsummen an Geld
-Braucht viel Pflege und Zuwendung
(letzter Punkt besonders wenn alt)
Es ist eine Unsitte des heutigen Staates, auf alle Sachverhalte unverzüglich mit neuen Verbotsgesetzen zu reagieren.
Außer unsere neuen Benutzungsvorschriften, die waren rechtsstaatlich notwendig.
Demnächst hier:
Über die Auslegung der Benutzungsordnung Teil II Auszüge aus dem Protokoll
(”Was ist eine Jacke” im Sinne der BO und andere Vergnüglichkeiten)

Liechtenstein ist ein lustiger Kleinstaat, der eigentlich keine Verfassung bräuchte, weil er eh von einem Fürsten regiert wird.
Von oben sieht Liechtenstein aus wie eine Ohrmuschel, was davon kommt, dass man im Kleinstaat gerne Rechtsvorschriften und Entscheidungen aus dem Ausland rezipiert. Die jeweiligen Verschlimmbesserungen von Gesetzen lässt der Liechtensteiner dabei frech weg, wodurch man heute dort noch eine irre gute ZPO zur Verfügung hat.
Die Einwohner Liechtensteins nennt man übrigens: Vorarlberger.

“Der Dings publiziert jetzt auch Open Access.”
– “Wirklich?..Standesverräter!”
“Wir sollten ihm in einer dunklen Gasse auflauern.”
“Ja, voll.”
Wie ich mir das Verhältnis von Juristen und Open Access vorstelle.