Die ideale Bibliothek

(Keine Nutzer, keine Bücher)

Eine wirtschaftliche Effizienz-Analyse hat ergeben, dass der am stärksten störende und ressourcenbindende Faktor der Bibliothek die NutzerInnen sind.
In einem nächsten Schritt soll dem Rektorat vorgeschlagen werden, den Betrieb versuchsweise ohne Nutzer abzuhalten. Es darf davon ausgegangen werden, dass diese Form des Betriebs viele Vorteile hätte.

Chaos

Das Bibliotheksgericht zeigt sich höchst besorgt über den Sittenverfall seiner Nutzerinnen und Nutzer.
Arbeitsliteratur wird aus anderen Fachreferaten zugezogen.
Auszüge aus dem Protokoll

1. Aus Verschmutzungsgründen werden Nutzer während des anhaltenden Winterwetters durch einen Kreisverkehr aus Fußabtretern geleitet, bevor sie die Bibliothek betreten dürfen. Der Verkehr wird durch den/die Diensthabende geregelt, es sind Warnwesten und Trillerpfeifen beizustellen.

2. Zur Auslegung des Begriffes “Laptop-Tasche”:
Übergroße Laptop-Taschen werden nicht mehr toleriert. Wenn ein Bügelbrett drin Platz hat, ist es keine Laptop-Tasche.

3. Aufgrund der sich häufenden Diebstahlsversuche ist wieder vermehrt auf die “Jacken-Policy” hinzuweisen. Grundsätzlich sind Jacken vor Betreten der Bibliothek in den Schließfächern abzulegen. Soll die Jacke aus sachlichen Gründen (es ist zu kalt) anbehalten werden, muss sie aber auch getragen werden. Nutzer, die zu einem späteren Zeitpunkt mit ausgezogener Jacke angetroffen werden, sind zu einem kindergartenpädagogischen Gespräch mit der Bibliotheksleitung zu beordern.

4. Eine wirtschaftliche Effizienz-Analyse hat ergeben, dass der am stärksten störende und ressourcenbindende Faktor der Bibliothek die NutzerInnen sind.
In einem nächsten Schritt soll dem Rektorat vorgeschlagen werden, den Betrieb versuchsweise ohne Nutzer abzuhalten. Es darf davon ausgegangen werden, dass diese Form des Betriebs viele Vorteile hätte:
-Bestand wird geschont
-Verschmutzung bleibt aus
-Zeit für eigentliche Arbeit wird frei
-Ressourcen könnten anderweitig sinnvoll eingesetzt werden

und und und…

Besprechung

“Also wegen dieser Änderung im Bestellsystem..wir sollten
keine große Sache draus machen…..Vielleicht eine kurze Besprechung, damit alle Bescheid
wissen, nur mit denen, die es unmittelbar betrifft.”

“In 15 Minuten haben wir das doch durchbesprochen.”

“Sowieso. Allerdings brauchen wir vielleicht schon jemand vom Medienmanagement…”
“Ja, das Medienmanagement muss dabei sein. Im Grunde auch die Leitung vom
Bestandsmanagement…”
“Und die Erwerbung, also die müssen schon auf jeden Fall ihre Einschätzung
geben, weil die betrifft es ja ganz unmittelbar!”

“Wahrscheinlich sollten auch 1 oder 2 Systembibliothekare zugezogen werden?
Wegen der Datenlage.
Und die Kontaktbibliothekare der Institute.”

“Ja, vermutlich..Gut nehmen wir von denen noch jeweils eine Person, das reicht
dann aber wirklich.”

“Jemand von der Adjustierung soll sich das am Schluss mal anschauen. Das
kann man auch nicht außen vorlassen. Wegen der Kennzeichnung.
Wenn wir in diesen neuen workflow die Campuslieferdienste
miteinbeziehen ist dort das Nadelöhr.”

“Und wegen der Lieferungen – Ob nicht gleich jemand auch aus
dem Controlling dazu kommen sollte? Wegen der Rechnungswege, das ist nicht
unheikel.”

“Wunderbar! Dann sollen die das Vizerektorat gleich
mitbringen, und jemanden vom Marketing.”

“Am besten geben wir dann sofort ein kurzes Statement an die Presse raus, damit
das alles schön transparent ist.”

“..Die Presseleute sind heute sicher alle im Bundeskanzleramt und berichten von der
Sitzung…”

“Sollen wir uns dann nicht gleich alle dort treffen?”
“Passt. Ich miete den Bus.”