Das Analoge und das Digitale

Das Haus das Verrückte macht

Es gibt einen Asterixfilm, der weithin bekannt ist für eine Szene, die offensichtlich in einer Art Irrenanstalt spielt. Der berühmte Passierschein A38, der immer gerne zitiert wird, sobald es um bizarre verwaltungstechnische Hürden geht, er ist fächerüberbreifend zum Inbegriff einer undurchdringlichen Bürokratie geworden, den man in allen Ländern versteht, ganz gleich ob es sich dabei um Poltik und Justiz oder die Verwaltung von Parkplätzen handelt. Bezeichnenderweise heißt die besagte Szene auch „Das Haus, das Verrückte macht“, was beinhaltet, dass die Bewohner des Hauses irgendwann einmal normal gewesen sein müssen.

Die meisten Menschen die irgendwann einmal mit Verwaltung zu tun hatten, sind sofort in der Lage einen Bezug herzustellen, wenn der „Passierschein A38“ erwähnt wird, sie können oft sogar weite Teile des Filmes aus dem Kopf rezitieren, „Passierschein A 38, ja wie er im neuen Rundschreiben B65 festgelegt wurde! Was? Ein neues Rundschreiben B65?..Jaja, eine Formalität, verwaltungstechnischer Art..Hier sind Sie falsch..Da müssen Sie zur Hafenkommandatur. Ein Hafen ist immer da wo Wasser ist..“ und so weiter.

Was indessen niemand berücksichtigt, ist eine Tatsache die für unsereins auf der Hand liegt: Es muss und kann sich bei diesem „Haus das Verrückte macht“ schlichterdings nur um eine Bibliothek handeln. Die Bibliothekare haben im Laufe der Geschichte jene subtile Form von Papierkommunikation auf eine perfide Spitze getrieben, sie sind die wahren Könige dieser Disziplin geworden, selbst wenn sie heutzutage mit einer gewissen Nonchalance ins Digitale wechseln.

Die Bibliothek als Heterotopie

Dem Bibliothekar ist alles eine Bibliothek. Wenn ich zB mit meinem Mann in einer Tankstelle stehe, und die Kaugummis und das Schleckeis dort unordentlich in den Tiefkühlregalen herumkugeln, dann sage ich zu ihm „Das ist eine schlechte Bibliothek“. Gehen wir dagegen an einem botanischen Garten vorbei, in dem die Büsche und Pflänzchen tüchtig sprießen und Gärtner gerade die Weiden stutzen, sage ich „Das ist eine gute Bibliothek“, und ich meine damit „Hier herrschen geregelte Abläufe und eine nachvollziehbare Ordnung“.

Die Bibliothek steht somit für alle Systeme, in denen Dinge nach irgendeiner Art von Strukturprinzip geordnet verwaltet werden: Schulen verwalten Schüler, Parkplätze verwalten Autos, das Oktoberfest verwaltet betrunkene Menschen. Wenn man Heterotopien im Foucault’schen Sinne als  Bedeutungsräume begreift, in denen gewisse kulturelle oder soziale Regeln gelten, und somit eine geistig vorausgesetzte Ordnung gilt, so ist die Bibliothek sicher eine gute Heterotopie, wenn nicht DIE Heterotopie. Nicht zuletzt heißt dieser Blog daher auch „Die tiefere Ordnung der Dinge“. Und Gesetze gelten hier gleich im mehrfachen Sinn, denn wir sind eine juristische Bibliothek.

Es gibt ein Strukturprinzip das alle diesen Dingen innewohnt, und auch diesen Blog von Anfang an bestimmt hat, und es lautet: Das Analoge und das Digitale. Daher sollte ihm schon aus Ordnungsgründen eine eigene Reihe gewidmet werden.

Juristen halten sich nicht an Regeln

Auch Juristen sprechen übrigens gerne von Analogien, meinen damit aber etwas Entfernteres. Im Juridicum kannte ich noch einen Professor, der selbstbewusst überall im Hause Pfeife rauchte, und sich dabei stets auf folgenden Satz berief: „Im Strafrecht gilt das Analogieverbot!“. Die Verbotstafel zeigt ja in der Tat eine durchgestrichene Zigarette, und jenes eine wie „ein Gleiches“ zu bestrafen, diesen Gedanken hat man im Strafrecht nunmal nicht als statthaft erachtet.

Auch wer in juristischen Bibliotheken arbeitet, macht übrigens diese frustrierende Erfahrung: Gerade jene, die Gesetz und Recht treu beforschen, haben in ihrem eigenen Alltag wenig Freude an Regeltreue, oder anders gesagt: Die Juristen schaffen gerne Regelungen, aber sie halten sich nicht ebenso gerne an welche, schon gar nicht an Bibliotheksordnungen. Nirgends auf der Welt werden so viele Bücher von Studierenden gestohlen, wie in juristischen Bibliotheken, nirgends sonst werden der Anstand, der Datenschutz und die Entlehndauer so heftig strapaziert wie hier, wenn der eigene Forschungsbedarf es gebietet.
Und da man letztlich in jedem Beruf immer auch ein bisschen Pädagoge ist: Wer könnte, wer wollte da zürnen..

 

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