Aller Herren Länder

Als Bibliothekare werden wir oft auch mit fremdsprachiger Literatur konfrontiert. Zum Spaß sage ich immer: „Selbstverständlich spreche ich wie alle Bibliothekare fließend Englisch, Griechisch und Latein und noch einige andere Fremdsprachen..“.

Fremdsprachige Titel haben ihren eigenen Flair, die die Sacherschließung gerne mal auf Irr- und Abwege führt:  Italienische Rechtsliteratur klingt immer so als würde gleich eine Revolution ausbrechen oder ein Manifest verkündet werden. Kyrillische Schrift kann ich nicht lesen, aber es sieht mal grundsätzlich ehrfurchtgebietend und gefährlich aus. Französische Titel haben etwas Anrüchiges, das man nur hinter verschlossenen Türen verhandeln möchte: „Droit des Affaires“, Ou lala!, denkt man sich da, und insgesamt lesen sich französische Cover immer ein wenig wie die Ankündigung zum Grand Prix Eurovision de la Chanson Européenne usw. Hier entstehen auch gerne Missverständnisse. So behandelt etwa „La désignation des gouvernantes“ nicht „Die Ernennung von Gouvernanten“, was den unbefangenen Leser etwas enttäuscht zurücklässt.

Spanische Bücher schließlich haben eine gewisse Lässigkeit. Selbst dem trockensten steuerrechlichen Thema wird hier mit dem passenden Sounding noch der abenteuerliche Charme eines windigen Gebrauchtwarenhandels verlieren, man sieht eine verlassene Tankstelle im Wüstensand, Heuballen wehen durch die Gegend und die Autorennamen klingen wie Cowboys oder Hollywoodschauspieler. Ay Caramba.

Lokalaugenschein

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Es gibt Bücher, die sind so seltsam, dass man es im ersten Moment kaum glauben kann. Eines davon ging noch kurz vor der Corona Krise als Verlagsgeschenk über unseren Schreibtisch. Da man ja nun wieder unter gewissen Einschränkungen in Restaurants und Bars konsumieren darf, haben wir es vor den Vorhang geholt.

Ich gebe zu, dass ich mir die Frage noch nie gestellt habe, bis mir dieses kleine Büchlein unterkam: Was essen Juristen gerne? – Laben sie ihr Herz gerne am saftigen Schweinsbraten während sie Verträge mit Schutzwirkung zu Gunsten Dritter erörtern? Stochern sie lieber im veganen Curry wenn sie Pflichtteile und Gesellschaftereinlagen berechnen, oder trifft man sie doch eher am bodenständigen Würstelstand? Wo kann man dieser juristischen Elite „leibhaftig“ begegnen, wenn man mal ein kleines Mietrechtsproblem besprechen muss, und wie ticken sie überhaupt, diese feinsinnigen, gesetzestreuen Halbgötter des Paragraphendschungels? Der Verlag Österreich hat es für uns herausgefunden.

Das jüngste Gericht 

Auf einem handlichen Broschürenformat erzählen hier namhafte Juristen von ihren Lieblingslokalen, warum sie dort gerne hingehen, und was man da am besten isst. Gerichtshofpräsidenten, Politiker und Großkanzleisten werden aufgeboten, und so viel sei verraten: Der gemeine Jurist ist eher kein Asket, er spricht gerne dem Wein und dem Kaffee zu und weiß eine gute, deftige Küche zu schätzen. Außerdem ist der „namhafte Jurist“, ausgehend von den Ausbildungsgenerationen immer noch eher ein Mann.

Von Tafelspitz bis Würstelstand

Tatsache, auch der Würstelstand kommt als Lieblingsadresse vor (und das in einer Stadt wie Wien völlig zu Recht!), aber auch erlesenere Speisen und Adressen werden besprochen. Den Vogel aber hat Heinz Krecji abgeschossen. Der 2017 verstorbene Experte für Unternehmensrecht erzählte hier von einer „kleinen feinen Adresse im 1. Bezirk“, wo ihn ein “ ganz besonderes Naheverhältnis mit der Wirtin“ verbindet, die ihm als Stammgast daher auch stets sein Leibgericht kocht:
„Angenehm ist auch, dass das Lokal rund um die Uhr offen ist. Meist bin ich schon am Morgen dort, zu Mittag oft und in der Regel auch am Abend. Außer ich habe einen anderen Termin. Dazu begleitet mich die Lokalbesitzerin. Sie sperrt dann das Etablissement schlicht und einfach zu.

Ich wünsche jedem so ein Lieblingslokal wie das meine. Das meine aber behalte ich für mich.“

In Memoriam Heinz Krecji

 

Haustürgeschäft

fliegende händler

WARNUNG. Jetzt in der Sommerzeit sind wieder vielerorts fliegende Bibliothekare unterwegs, die mit ausgesonderten Altbüchern und Restbeständen an arglosen Instituten hausieren gehen, daher: Seien Sie auf der Hut, öffnen Sie nicht unvorsichtig Ihre Bürotüro! Und denken Sie immer daran: Sie müssen die Ocksenbütteler Dreiwetterschrift zum gemeinen Knappschaftsverfahren von 1972 nicht nehmen, wenn Sie das nicht wollen!

Corona Wear

Corona Wear
Stilvoll und Sicher: Unsere hausinterne Schneiderei bietet für die Servicemitarbeiter der Bibliothek eine Fülle von heiteren Kostümierungen zur Auswahl, die im grauen Corona-Alltag den Publikumsverkehr etwas abwechslungsreicher gestalten.

Lernprozesse

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Die letzten Monate waren nicht einfach. Wir haben uns bemüht aus Allem etwas zu lernen. Dennoch sind wir froh, dass jetzt wieder da und dort der vertraute Betrieb aufgenommen werden kann. Eine ungeordnete Rückschau.

Videokonferenz

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„Es dauerte eine Weile, bis wir merkten, dass die Sache außer Kontrolle geraten war.“

Zur Kommunikation in diesen wilden Zeiten, habe ich an anderer Stelle schon mehr gesagt. Und auch der Moral unserer wissenschaftlichen Mitarbeiter hat die neue Situation nicht immer gut getan..

Maskierter Raubüberfall

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„Vermisst wird Band 2, Teilband 1 des Kommentars zum Bundesverfassungsrecht. Die Täter konnten unerkannt entkommen. Die Bibliothek bittet um sachdienliche Hinweise.“

 

Zurückgekehrt an unsere alte Arbeitsstätte mussten wir schließlich feststellen: Auch die Kommunikation von Angesicht zu Angesicht birgt ihre Tücken.

Maskenpflicht

 

maskenpflicht

 

 

 

 

Ersitzung – über den Schlaf des Nutzers

Anfang des Jahres konnten wir diese orangenen Sessel für unsere Bibliothek ergattern, die ursprünglich in der Bibliothek für Sprachen standen. Ehrlicherweise muss man gestehen, dass sie besser ausschauen, als sie sich anfühlen. Trotzdem hatten wir es uns schön gedacht, dass man darin in unserem Zeitschriftenbereich zumindest kurz sitzen und schmökern könnte. Aufgrund von Corona sitzt vorerst jetzt allerdings niemand darin.

Bibliotheksmöbel: Den Seinen gibts der Herr im Schlafe

Bibliotheksmöbel sind sowieso so ein eigenes Thema: Sie dürfen nicht zu bequem sein, weil man sonst darin wegpennt, gleichzeitig will man nicht das Gefühl haben auf einem Brett zu sitzen. Es gibt breit angelegte Nutzerstudien dazu, die sich damit beschäftigen, warum manche Einrichtung funktioniert, und andere nicht. Polster, Sitzsäcke und Liegen zB sind vielen Leuten schon zu bequem, andere lassen sich dennoch gern für ein Nickerchen hinein sinken. Irritierenderweise lassen sich die Nutzerinnen in unseren Bibliotheken bevorzugt an Orten nieder, die dazu überhaupt nicht einladen, und ich habe mir sagen lassen, dass das auch andere Bibliotheken beobachten.
Vor Zeiten wurde testweise sogar ein richtiges Bett, oder sagen wir: So eine Art große Schlafcouch in eine unserer Lounges gestellt. Das Möbel blieb aber ungenutzt, es war den Leuten einfach zu intim, oder sie suchten eine solche Ruhestätte jedenfalls nicht in der Bibliothek auf. Nun braucht man nicht zu glauben, dass unsere Nutzer deswegen nicht schlafen würden, sie tun es nur bevorzugt an unbequemeren Orten, halb im Sitzen vor einem Schreibtisch, oder mit dem Kopf aus selbigem. Schon deutlich besser funktionieren für diesen Zweck halboffene Kojen und Schalensessel. Letztlich ist die optimale Ruheposition wohl eine, in der zumindest die Illusion aufrecht bleibt, man rezipiere und sauge hier halbschlafend Wissen aus der Atmosphäre der Bibliothek..

Minotaurus

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„Also, Sie folgen einfach der roten Schnur bis zu den Regalen zum Internationalen Privatrecht, ab da sollten die Bodenmarkierungen gut erkennbar sein, und an der Abzweigung zum Europarecht steht eine Kerze, die einen Pfeil beleuchtet. Dem folgen Sie, und der Rest ist dann ein Kinderspiel. Aja, und irgendwo rennt hier so ein Typ mit Stierkopf herum, lassen Sie sich davon nicht irritieren, das ist nur der Mann von der internen Revision..“ 
Bibliothekare waren von jeher gut darin, komplexe Orientierungssysteme zu beherrschen.