Die Invasion der Riesenheuschrecken

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Ab Montag wird unsere Bibliothek wieder mit einer reduzierten Anzahl an Sitzplätzen als Lernort geöffnet. Während der Campus in voller Blüte steht wurde daher in den letzten Wochen ein Buchungssystem mit Online-Tickets entwickelt, und die Bibliotheken mit zusätzlicher Infrastruktur (Plexiglas, Desinfektionsspender, Durchsagen, Beschilderungen etc.) für den Betrieb gerüstet, und vieles andere mehr. Wir sind gespannt.

 


Die Invasion der Riesenheuschrecken

Die normalen Wartungsarbeiten am Campus fanden natürlich wie jedes Jahr statt: Gründliche Reinigung der Außenglasflächen und das was wir die „Invasion der Riesenheuschrecken“ nennen.

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Geheime Mächte

In den letzten Wochen haben wir uns ziemlich viel an den Instituten herumgetrieben. Es galt ältere Bestände zu sichten, Nachbestellungen zu überlegen. zu entscheiden was noch für ein paar Jahre ins Magazin wandern oder endgültig verabschiedet werden soll.

Eine abwechslungsreiche und dennoch manchmal mühsame Angelegenheit, bei der einem immer wieder Preziosen vergangener Zeiten begegnen, in diesem Fall Aktienrecht aus verschiedenen EU-Ländern, und ältere rechtstheoretische Schriften.

Der Staat und seine Feinde

Auch in den Neuerwerbungen spiegelt sich das Thema „Staat“ in allen Varianten. Die jüngst erschienene Kelsen Biografie ist nach kurzer Corona-bedingter Verzögerung nun auch im Haus, und wir können endlich wieder ruhig schlafen.

Wenig Neues dafür  bei den Dauerthemen, die uns in Büchern und in der realen Welt beschäftigt halten: Versicherungen und Banken sind alles Kriminelle, Zahnsanierungen sind teuer, und wenn irgendwo etwas mit Geheimdiensten am Laufen ist, haben gewiss die Russen ihre Finger im Spiel.

Aller Herren Länder

Als Bibliothekare werden wir oft auch mit fremdsprachiger Literatur konfrontiert. Zum Spaß sage ich immer: „Selbstverständlich spreche ich wie alle Bibliothekare fließend Englisch, Griechisch und Latein und noch einige andere Fremdsprachen..“.

Fremdsprachige Titel haben ihren eigenen Flair, die die Sacherschließung gerne mal auf Irr- und Abwege führt:  Italienische Rechtsliteratur klingt immer so als würde gleich eine Revolution ausbrechen oder ein Manifest verkündet werden. Kyrillische Schrift kann ich nicht lesen, aber es sieht mal grundsätzlich ehrfurchtgebietend und gefährlich aus. Französische Titel haben etwas Anrüchiges, das man nur hinter verschlossenen Türen verhandeln möchte: „Droit des Affaires“, Ou lala!, denkt man sich da, und insgesamt lesen sich französische Cover immer ein wenig wie die Ankündigung zum Grand Prix Eurovision de la Chanson Européenne usw. Hier entstehen auch gerne Missverständnisse. So behandelt etwa „La désignation des gouvernantes“ nicht „Die Ernennung von Gouvernanten“, was den unbefangenen Leser etwas enttäuscht zurücklässt.

Spanische Bücher schließlich haben eine gewisse Lässigkeit. Selbst dem trockensten steuerrechlichen Thema wird hier mit dem passenden Sounding noch der abenteuerliche Charme eines windigen Gebrauchtwarenhandels verlieren, man sieht eine verlassene Tankstelle im Wüstensand, Heuballen wehen durch die Gegend und die Autorennamen klingen wie Cowboys oder Hollywoodschauspieler. Ay Caramba.