Heimatloseblätter suchen ein Zuhause

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Immer wieder geschieht es leider, dass Besitzer der Pflege ihrer Loseblatt-Lieblinge überdrüssig werden, und diese skrupellos an Autobahnraststätten (oder in der nächsten Bibliothek) zurücklassen. Wir berichteten hier.
Wir alle kennen die Situation: Zu Anfang des Jahres ist das Herz und das Handapparatsbudget groß und scheint scheinbar keine Grenzen zu kennen, nur allzu leicht handelt man sich dann unüberdacht eine pflegeintensive Loseblattsammlung ein. Aber Loseblattsammlungen bedeuten nicht nur Spaß, sie bedeuten auch Verantwortung.

Oft stellt sich schon bald eine gewisse Ernüchterung bei den Besitzern ein: Der schöne Glanz der buchhandelsfrischen Ausgabe verblasst, die Loseblattsammlung erfordert viel Aufmerksamkeit und Zuwendung, oder kann den Erwartungen des Lesers nicht mehr gerecht werden.

Auch diesen Sommer wurden wieder zahlreiche verwahrloste Loseblätter anonym in der Aufnahmeklappe der Bibliothek abgegeben. Die Bibliotheksmitarbeiter nehmen sich der kleinen Streuner erbarmungsvoll an, und beginnen sie bis zum Herbst mit Mühe und Geduld wieder hochzupäppeln, vergessene Lieferungen nachzulegen und Reparaturen vorzunehmen.

Mit etwas Glück können nach aufmerksamer Pflege die kleinen Lieblinge wieder in häusliche Haltung entlassen werden, heute daher ein hoffnungsvoller Aufruf:

Der kleine UWG in zwei Bänden sucht noch ein liebevolles Zuhause. Er ist ein zutrauliches und pflegeleichtes Kerlchen, das auch gar nicht so oft gefüttert werden muss (Faszikelwerk), und mit erstaunlich wenig Platz auskommt. Gerne geben wir den kleinen UWG, der hier in der Bibliothek bereits einen Zwillingsbruder hat, an einen aufrichtigen Handapparatsbesitzer ab.

 

 

 

Vermischte Schriften

In den letzten Wochen bekommen wir sehr viel interessante Neuerwerbungen aus den Bereichen Philosophie, Sozialwissenschaften und Politik. Das liegt einerseits daran, dass unsere Institute um diese Jahreszeit sehr viel Literatur bestellen, andererseits aber auch an gewissen Trends im Buchhandel.

 

Natürlich können wir nicht in jedes Buch hineinlesen, aber einen genaueren Blick müssen wir Fachreferentinnen ja ohnehin ins Werk werfen, und dabei lernen wir so manches.

Neue Erkenntnisse dazu in dieser Woche: Dressing up the bride ist ein Ausdruck für gewisse „Schönungen“ in der Bilanz, die meistens vor einer Unternehmensfusion gemacht werden. Behemoth, eine biblische Gestalt die wir auch nicht so genau kannten, quasi der böse Zwilling von Leviathan (letzterer Juristinnen schon eher ein Begriff). Über dem Studieren von Büchern kann man als Bibliothekar schon einmal philosophisch werden, genau so wie auch unser neues Katalogsystem viele Fragen aufwirft: (Warum wird alles schwarz wenn man hier klickt? Wo ist Subfeld $ hin? Und was ist der Sinn des Lebens?). Ähnlich schwierigen Themen widmet sich ein Buch zum Medizinrecht, in dem es letztlich um den Unterschied zwischen Tier und Mensch geht. Eine Festgabe für Rosemarie Will ehrt eine der ersten Hochschulprofessorinnen, die nach dem Ende der DDR berufen wurden. Und schließlich ein Buch zur Rechtsästhetik, das uns staunen ließ, weil es über und über mit Glitzer verkleidet ist.

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Wir, wenn die Institute von allen Seiten an uns rütteln und zahlreiche Sonderwünsche haben. Es ist wieder Laokoon Zeit des Jahres.

Was bisher geschah..Neuanfänge

Ich bin wieder da! Der beste Ehemann von allen hat meinen Blog wieder schön gemacht, ihn von einer Plattform auf eine neue migriert, und alles wieder geordnet und repariert, was mich bei meinem alten Blog störte. Es ist nicht ganz so körperlich anstrengend wie ein Wohnungsumzug, aber mindestens ebenso viel Aufwand und daher die größte Liebeserklärung die man einem Menschen machen kann. Es gibt jetzt auch Kategorien wie „Selbstgezeichnetes“, „Der Nutzer als Problem“, „Das Bibliotheksgericht“, oder „Bibliotheksalltagsgeschichten“, um dem seit 2014 tüchtig gewachsenen Blog eine bessere Struktur zu geben.

Aus diesem Grund habe ich hier, quasi als Start in ein neues Zeitalter wieder eine Sammlung der schönsten Widmungen erstellt. Als Bibliothekarin liest man ja als erstes die Widmung und das Vorwort, heimlich hofft man dort auf Banales, Anstößiges oder Privates zwischen den ansonsten seriösen wissenschaftlichen Einbanddecken zu stoßen, und wird häufig belohnt. Besonders gut gefällt mir das kryptische „41 b gewidmet“, oder poetisch „To each other“. Immer noch häufig wird der Lebenspartnerin in der Widmung eine mehr „ertragende“ und „leidende“ Rolle zugeschrieben, die sich auf moralische und kulinarische Unterstützung im Hintergrund zu konzentrieren scheint.

In letzter Zeit kommen aber immer wieder auch Arbeiten, in denen eine Frau auf solche Weise ihrem Partner dankt, was Anlass zur Hoffnung gibt.

In der Zwischenzeit hat sich eine liebe Kollegin in die Karenz verabschiedet, eine andere liebe Kollegin ist hinzugekommen, und auch sonst haben uns unsere Departments und Bücher zu originellen und aufregenden Themen in Atem gehalten (ein Auszug unten). Weiters habe ich geheiratet, eine Literaturrundschau konzipiert und ein Psychologieskriptum mit Illustrationen versehen.

Davon, was wir in der Bibliothek erleben werde ich ab nun wieder regelmäßig hier berichten.

 

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