Anfrage

Über die Auslegung der Benutzungsordnung #2

B: ..also nochmal wegen Ihrer dringenden Anfrage..
A: Was machen Sie denn hier?
B: Ich telefoniere, das sehen Sie doch.
A: Aber doch nicht am WC!
B: Was? [-warte bleib mal dran- hier stört gerade..] was ist das Problem?
A: Es ist sehr LAUT, merken Sie das nicht? Man hört draußen
JEDES WORT!
B: Jetz lassens mich, es ist sehr dringend!
A: Und verboten! Es ist verboten am WC zu telefonieren!
B: Ach ja, wo steht das? [-warte kurz, ich ruf dich gleich
zurück..]
A: In der Benutzungsordnung. Steht das. Nämlich!
B: Was steht dort?
A: Dass das TELEFONIEREN auf den WCs verboten ist!!! Harrschaft!
B: Ja und? Wer telefoniert denn?
A: Sie doch!
B: Ich telefoniere nicht. Sehen Sie mich telefonieren?
A: Na, jetzt nicht mehr! Jetzt haben Sie ja aufgelegt.
B: Na also.
A: Also wenn ich Sie hier noch einmal telefonieren höre, dann rufe ich aber den
Sicherheitsdienst!Frechheit sowas, andere Nutzer stören!
B: okay, okay. Geh ich eben raus.

 

PS: Bin den restlichen Tag nur mehr draußen im Freien
erreichbar.
Diese Nutzer haben einfach kein Verständnis für wichtige Telefonate.

Über die Auslegung der Benutzungsordnung

Auszüge aus dem Protokoll

Ad §3 „Essen und Getränke sind in den Räumlichkeiten der Bibliothek nicht gestattet.“
A: „Was genau gilt als Essen? Zählen dazu auch Schokoriegel und kleine Speisen?“
C: „Und was ist mit Bananen? Wo zieht man die Grenze?“
B: „Sobald Zähne zum Einsatz gelangen, ist es Essen.“
A: „Also auch Kaumgummi?“
B: „Auch Kaugummi.“
C: „Kaugummis können auch in Büchern kleben bleiben. Oder unter Tischen!“
B: „Sehr richtig.“
C: „Genau.“
A: „Ein Bananen-Bonbon wäre aber erlaubt.“
B: „Ein Bananen-Bonbon lutscht man, das kaut man nicht. Bananen-Bonbon ist erlaubt.“
Notiert wird: Die Zähne sind vor Betreten der Bibliothek an der Kasse abzugeben.

Ad §4 „Oberbekleidung wie Jacken und Mäntel sind vor Benutzung der Bibliothek in den dafür vorgesehenen Schließfächern zu deponieren.“
A: „Wie ist vorzugehen wenn jemandem kalt ist, und er deswegen seine Jacke nicht ausziehen will?“
C: „Es ist oft sehr kühl in der Bibliothek.“
B: „Wenn jemand friert, dann ist das Mitnehmen der Jacke ausnahmsweise gestattet.“
A: „Sie muss dann aber auch getragen werden.“
B: „Ja. Bei begründetem Kältegefühl darf man die Jacke anlassen. Wird die betreffende Person aber später mit ausgezogener Jacke angetroffen, dann ist zum Deponieren der Jacke im Schließfach aufzufordern. Die Jacke ist wird ja dann offenbar nicht benötigt.“
A: „Sehr richtig.“

Es wird notiert: Personen welche eine Jacke tragen, werden zum Deponieren der Jacke in den dafür vorgesehenen Schließfächern aufgefordert. Wenn die Jacke nicht abgelegt werden kann, da die Person darunter nur unzureichend bekleidet ist, kann ein entsprechendes Bußgewand beigestellt werden. Dieses ist während des Aufenthalts in der Bibliothek zu tragen.

Ad §5 „Mitnahme von Taschen in die Bibliothek“
B: „Ist nicht gestattet.“
A: „Taschen müssen in den dafür vorgesehenen Schließfächern deponiert werden.“
C: „Vorausgesetzt natürlich, es stehen ausreichend Schließfächer zur Verfügung.“
B: „Natürlich.“
Notiert wird: Fahrradkörbe, Bügelbretter und Taschen, ausgenommen Hosentaschen, sind nicht gestattet. Bei begründetem Verdacht kann die Bibliotheksaufsicht eine Leibesvisitation anordnen. Bibliotheksnutzer die eine Tasche mit sich führen, sind bis zum Verlassen der Bibliothek in ihren Schließfächern einzusperren.

Die Sitzung wird an dieser Stelle unterbrochen und nach der Mittagspause fortgeführt.

Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?

Heute: Zielgruppenspezifische Werbung 
Menschen, besonders solche in Informationsberufen, hinterlassen ständig Spuren im Internet. Aufgrund dieser Spuren wird man dann schon einmal der ein oder anderen Konsumentengruppe zugeordnet. Einmal zu oft nach einem aktuellen Buch zum Suchtmittelgesetz gegoogelt, schon landet man in einer Kategorie mit special interest für den Drogenmarkt.
Anhand von Spam-Mails und eingeblendeter Werbung kann unsereins Bibliothekarin ja recht leicht überprüfen welches schöne (oder hässliche) Bild sich da abzeichnet. Mein virtuelles Ich gibt mir aber schon seit längerem Rätsel auf.

Die Faktenlage: Ich bekomme Werbung für Viagra, und zwar nicht mal selten. Der hiesige Möbelhändler macht mich unter dem Stichwort “Wenn die starke Hand nicht reicht” auf Kettensägen und ähnliches Brachial-Spielzeug aufmerksam. Und dann wären da noch die netten Damen aus fernen Ländern, die mich besorgniserregend häufig per Ferndiagnose zum Ehemann auserwählen. 

Die Sache ist klar: Ich muss ein Mann sein. Ein Mann in den besten Jahren, vermögend, vielseitig interessiert, eine gute Partie.
Ich versuche mir mein virtuelles Ich vorzustellen, diesen weltoffenen und finanziell potenten Lebemann, der wochenends im Penthouse-Dachgarten die Kettensäge schwingt.
Nur: welche Klicks und Suchabfragen haben mir diesen zweifelhaften Ruf als “American Psycho” eingetragen? Auf welchen Irrwegen war ich denn da unterwegs dass mir Algorithmen solche unerhörten Dinge vorschlagen? Oder bekommen das alle? Ist das so eine Art kleinster gemeinsamer Nenner der in Studien mühsam errechnet wurde?

Auf eine komische, paradoxe chauvinistische Art schmeichelt mir das sogar. Lieber das, als Werbung für Diätpillen, Ovulationstests und Unterwäsche, oder womit man sonst als Frau so zugemüllt wird.
Dann doch lieber die Kettensäge.
Also, liebe Leserinnen und Leser, ich grüße recht artig und werde an Sie denken, wenn ich demnächst wieder mit stolzgeschwellter Brust und Damenbegleitung beherzt zur elektrischen Heckenschere greife. 

Im Urlaub

wird man ja bekanntlich dümmer. Die Leute kommen aus ihren Ferien zurück, setzen sich an den Schreibtisch und zack-bumm, wissen sie ihr Computer-Passwort nicht mehr. Passiert wirklich.

Ich glaube langsam dass das stimmt. Wie kann es sein dass ich seit Stunden nicht schaffe dieses Dings aus dem Überraschungs-Ei zusammenzubauen, was 6jährigen Kindern scheinbar mühelos gelingt? Ich fürchte dieses Dings wird sicher niemals fliegen können..